Interview

Anna Yanovskaya und Sergey Mozgov: Sehlenverwandte

Gastbeitrag: Interview von Oxana Skrebtienko für LP

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Anna Yanovskaya und Sergey Mozgov

Die Junioren-Welmeister im Eistanz Anna Yanowskaya und Sergej Mozgov erzählten im Rahmen der Show «Kings on Ice»  in Nizhnij Novgorod von ihrem Training, Träumen und ersten Eindrücken von der ersten Senioren-Saison für sie.

Sie wurden relativ kurzfristig in die Teilnehmerliste dieser Show aufgenommen. Wie kam es dazu?

Anna: Diese Einladung ist für uns eine richtige Überraschung gewesen, alles ist spontan gekommen. Wir wurden erst am Samstag informiert.

Sergej: Wir waren bei dem Rostellecom Cup anwesend, wollten unsere Freunde unterstützen, dann kam Ari Sakarjan auf uns zu und sagte, wir seien in seine Show eingeladen und er habe bereits mit unseren Trainern alles vereinbart.

Anna: Wir laufen zum ersten Mal bei so einer großen Show, es ist so toll! Hier herrscht eine freundliche Atmosphäre, jeder Eiskunstläufer träumt davon, dabei zu sein. Das wollten wir auch immer.

Sergej: Wir kennen alle Teilnehmer, es ist ein lustiges Team, es gibt immer Witze und Scherze und es macht uns Spaß mit allen zusammenzuarbeiten.

Ist diese Teilnahme nicht für ihr Training störend?

Sergej: Nein, die Show stört nicht, gerade umgekehrt, sie verleiht uns positive Emotionen und hilft uns auf die harte Arbeit einzustellen, wenn wir wieder zu Hause sind.

IMGP4458Anna: Wir freuen uns sehr, hier aufzutreten, die Show ermöglicht es uns ein bisschen Abwechslung zu verschaffen, Energie zu schöpfen, die wir für unser Training und die Wettkämpfe benötigen.

Sie sind bereits bei internationalen Wettkämpfen aufgetreten, hatten zwei GPs. Wie schätzen Sie ihre Auftritte ein?

Anna: Ich würde sagen, wir hatten nur eineinhalb GPs, denn der Wettbewerb in Bordeaux wurde leider wegen der Ereignisse in Paris abgebrochen. Es fällt uns nicht leicht, in dieser Saison aufzutreten, wir laufen jetzt in der Senioren Kategorie, alles ist neu für uns. Bei den Senioren GP ist ganz eine andere Atmosphäre, alles unterscheidet sich von den Junioren GPs. Klar, wir haben viel Erfahrungen gesammelt. Es kann sein, dass unsere Ergebnisse nicht so sind, wie wir sie uns erhofft haben, aber zweifellos wird uns diese Erfahrung in der Zukunft helfen.

Sergej: Es könnte sein, dass wir aufgeregt waren, es ist ein anderes Niveau und «andere Nerven».  Deshalb klappte nicht alles, vieles ist aber auch gut gegangen. Wir werden aus unseren Fehlern lernen.

Welche Ziele setzten Sie für diese Saison?

Sergej: Wir haben keine bestimmten Ziele, wir müssten uns im russischen Team einen festen Platz sichern und gut bei den russischen Meisterschaften laufen.

Anna: Wir müssen versuchen, gut bei den RM aufzutreten, dann noch bei einem Wettkampf der Kategorie B auftreten. Es ist für unser Ranking wichtig und damit die Preisrichter uns besser kennenlernen.

IMGP4454Erzählen Sie bitte von Ihrer Trainingsgruppe, wie sieht die Beziehung zu den anderen Paaren, und den Trainern aus?

Anna: Wir haben eine wunderbare, freundliche Gruppe. Wir laufen zusammen mit Lena und Russlan zusammen und das gibt uns Impul, wenn wir ihr Beispiel vor Augen sehen und wir möchten unsere Leistung auch steigern.

Sergej: Wir kommunizieren mit ihnen wie Gleichberechtigte. Aber wir verstehen schon, dass sie ein höheres Niveau haben und dass wir von ihnen technisch lernen können und sehen,  wie das Paar überhaupt zusammenarbeitet. Aber dabei darf man die Freundschaft nicht vergessen. Manchmal ist es so,  dass uns die Top-Läufer wie Götter vorkommen und die Junioren dürfen an die nicht herankommen. In unserer Gruppe gibt es so was nicht, wir sind alle Freunde und es gibt keine Unterschiede zwischen den Top-Läufern und nicht Top-Läufern. Wir sind wie eine große Familie.

Anna: Und unsere Trainer sind wie unsere zweite Familie, wir trainieren mit ihnen schon eine lange Zeit und es ist eine herzliche Beziehung zwischen uns entstanden.

Und was können Sie von sich selbst behaupten – sind Sie nur auf dem Eis ein Paar oder auch im Leben?

Anna: Wir sind nur auf dem Eis ein Paar. Im Leben sind wir eher wie Geschwister. Und ich meine, wenn man so viele Jahre miteinader so eng zusammenarbeitet, wenn man gemeinsame Ziele verfolgt, dann funktionieren solche Beziehungen viel besser. Auch nach dem Training kommunizieren wir viel miteinander  und unsere Familien sind gut befreundet.

Sergej: Es sind partnerschaftliche Beziehungen, die Geschwisterbeziehungen helfen uns, wir sind nicht nur ein Paar, wir sind Seelensverwandte.

Mit welchen Worten würden Sie einander beschreiben?

Anna: Serezha ist ein sehr positiver Mensch, er bringt Freude zu den Menschen und kann in schweren Zeiten unterstützen. Man kann sich immer auf ihn verlassen und es ein großes Plus für ihn als Mensch und als Partner.

IMGP4432-2Sergej: Anja ist ein Partymensch und ist mit politiver Energie geladen. Sie ist immer gut gelaunt. Ich kann dasselbe sagen – sie unterstützt mich immer, sie kann einem gut zuhören und wenn man in Schwierigkeiten steckt – kommt sie auf jeden Fall – angekrochen, angelaufen, um in Deiner Nähe zu sein. So einen Menschen mus jeder im Leben haben. Und ich freue mich, dass ich in meinem Leben Anja habe.

Erzählen Sie bitte, wie Sie ihre Programme gestalten, wer sucht die Ideen für die Musik und für die Kostüme?

Anna: In diesem Jahr kam die Initiative von uns, wir haben die Musik selber sowohl für das Kurzprogramm als auch für die Kür gefunden, dann haben wir diese Musik zusammen mit unseren Trainern gehört und haben eine gemeinsame Meinung gefunden. Im Kurzprogramm ist es die Musik aus dem Fim «Moj laskowij i nezhnij zwer» (übersetzt – mein zartes Tier)  und in der Kür laufen wir zu dem Soundtrack «Great Gatsby»

Sergej: Das Programm wurde aber nicht nach dem Film, sondern nach dem Buch gestaltet. Bei der Choreografie gingen wir von einer Interpretation aus, die wir in einem Theater gesehen haben. Es war ein modernes Ballett und wir wurden von dieser Idee inspiriert. Es ist nicht wie die übliche Gatsby Geschichte, es ist eine neue Geschichte – eine Geschichte, die wir ausgedacht haben und die wir in unserem Tanz erzählen.

Anna: Was unsere Kostüme betrifft, die Kostüme haben unsere Disigner für uns konzipiert, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten.

Sergej: Aber üblicherweise stammen die meisten interessanten Ideen von Anja, ich kann auch meinen Beitrag dazu leisten – und dann entscheiden wir uns für eine Endvariante. Unsere Kostüme haben wir alle zusammen konzipiert.

Was halten Sie von Sozialnetzwerken? Lesen Sie, was die Fans über sie schreiben – kommunizieren Sie mit ihren Fans?

Anna: Ja, wir versuchen mit unseren Fans zu kommunizieren, denn ihre Meinung und ihre Unterstützung bedeuten viel für uns.

Sergej: Wir lesen keine Foren. Wir kommunizieren mit unseren Fans in Twitter und treffen uns persönlich mit ihnen.

IMGP5799Anna: In dieser Hinsicht – stehe ich hier für uns beide.  – ich mag es zu kommunizieren, poste Fotos in Twitter und versuche die Kommunikation mit Fans zu halten.

Haben Sie ein Hobby? Was machen Sie in der Freizeit?

Sergej: Wir unterscheiden uns wir wenig von den anderen – wir hören gern Musik, lesen Bücher, gehen ins Kino.

Anna: Ich mag Theater, versuche keine interessante Aufführung zu verpassen. Ich bin auch oft im Zirkus und im Ballet. Diese Ausflüge helfen mir, mich von der Arbeitswoche abzulenken und inspirieren mich auf neue Ideen.

Bestimmt haben Sie wenig Freizeit – denn man muss Training und das Studium vereinbaren, oder?

Sergej: Ja, wir haben nicht so viel Freizeit, ich bereite mich jetzt auf meinen Master vor.  Es ist gut, dass ich an einem Sportinstitut studiere. Man kommt mir entgegen, so dass ich einen individuellen Unterrichtsplan und Prüfungen habe – man berücksichtigt unseren Trainingsplan und die Wettbewerbe.

Anna: Ich kann auch meinen Plan an der Uni besprechen und man kommt mir entgegen.

Haben Sie bereits überlegt, was Sie nach Ihrer sportlichen Karriere machen werden?

Anna: Ich habe bereits daran gedacht. Mein Kindheitstraum war immer,  in der Patologie zu arbeiten. Aber so ein aufwändiges Studium kann man nicht mit Wettkämpfen vereinbaren, deshalb, habe ich mich für Sport entschieden und habe mich an einem Sportinstitut eingeschrieben. Ich möchte es absolvieren, mein Diplom bekommen und dann sehen wir weiter.

Sergej: Ich sehe meine Zukunft im Sport. Vielleicht werde ich Trainer und vielleicht werde ich im Bereich Sportmanagement tätig sein. Wenn man den größten Teil des Lebens dem Eiskunstlauf widmet, dann ist es traurig, wenn später alles in Vergessenheit gerät. Deshalb plane ich mein Leben auch in der Zukunft mit Sport zu verbinden.

Anna Yanovskaya und Sergey Mozgov

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