Florent Amodio
Florent Amodio

Beim Masters de Patinage in Orleans wurde Florent Amodio nur Dritter. Dabei hatte er ganz andere Ziele und Aussichten. In Orlenas haben wir versucht, gemeinsam eine Erklärung zu finden. Von seinem Kurzprogramm, Vorbereitungen und von der Kommunikation mit seinen Fans spricht Florent in diesem Interview.

Florent, wie fühlst Du Dich heute?

Ich bin sehr frustriert, sehr traurig über mich selbst. Ich glaube, es ist zum ersten Mal in meinem Leben so, dass ich dermaßen traurig bin. Weil alles perfekt war. Alles klappte so gut – Training, Wettbewerb, ich fühlte mich so stark, ruhig, sehr sicher und ich wollte unbedingt ein tolles perfektes Kurzprogramm zeigen. In Oberstdorf war ein guter Beginn für mich. Hier war ich bis zu 100 Prozent bereit. Ich wollte perfekt sein und dann kommt der erste Fehler am Vierersprung und ich habe sofort die komplette Konzentration für das ganze Programm verloren. Am liebsten würde ich das Programm neu gestartet, ganz von Anfang an…

Florent Amodio
Florent Amodio

Im Sommer habe ich viel gearbeitet. Das ist wirklich das erste Mal, das ich so was erlebe – in der meiner ganzen Karriere als Eiskunstläufer – selbst bei der WM oder Olympia war es nicht so. Alles stimmte – Sprünge, physische Konditionen. Ich durfte einfach diese Konzentration nicht verlieren, aber ich wollte unbedingt perfekt laufen und dann kam dieser Patzer…

Vielleicht ist es nicht dein Tag gewesen…

Ja. Ich möchte ja selbst verstehen, warum und wieso… Ja, vielleicht war es wirklich nicht mein Tag. Morgen ist ein anderer Tag und ich muss kämpfen, damit ich diesen Wettbewerb noch gewinne.

Bist Du auf den Eis noch glücklich? Ich meine jetzt nicht unbedingt heute, aber im Allgemeinen?

Florent Amodio
Florent Amodio

Ja, im Allgemeinen – ja. Ich möchte nur noch diesen Tag vergessen. Mein primäres Ziel war, alle meine Sprünge gut zu meistern, egal wo – Hauptsache ohne Fehler. Ich wollte wie eine Maschine werden. Ich mag dieses Programm „ich bin glücklich“ und habe mich voll und ganz auf die Technik konzentriert.

Sag mal, ist es schwierig für Dich, nach so einem schweren Tag, nach einem misslungenen Programm noch Interviews zu geben?

Nein, ich kenne die meisten Journalisten schon lange, Dich auch. So ist das Leben, ich möchte nicht ausschließlich an diese Fehler denken, ich versuche ja eine Erklärung zu finden. So ist das Leben.

Ehrlich gesagt, für mich wäre es schwierig… Ich würde lieber alleine mit meinem Missgeschick sein…

Früher habe ich auch so gedacht – „kein Kommentar“ und weitergehen. Aber was würde es ändern, wenn ich traurig alleine in meinem Hotelzimmer sitze? Ich kann Dir erklären, was und wieso… Ich bin zufrieden mit der Arbeit, die ich jeden Tag geleistet habe, wir können sehen, es gibt positive Zeichen.

Wir lassen jetzt den heutigen Tag passe. Erzähle lieber dann über Deine Vorbereitungen auf die Saison…

Podium Orleans 2015
Podium Orleans 2015

Ich wollte nach Sankt-Petersburg zu Alexey Urmanov fahren, aber dann haben wir uns entschieden, diese Reise nach TEB zu machen. Ich wollte in Oberstdorf auftreten, und daher in Paris bleiben. Ich denke, ich fahre zu ihm nach dem Bompard. Die Föderation hat das geklärt, ich glaube es sollte kein Problem werden. Ich wollte meine gute Einstellung nach der WM behalten, meine Energie…

Du hast ein sehr schönes Kostüm für dein Kurzprogramm „I am happy“…

Ja, ich mag es, kreativ zu sein.

Heißt es, Du hast das Kostüm selbst gestaltet?

Nein, ich habe nicht selbst genäht oder so (lacht) aber die Idee stammt von mir. Ich habe mit meiner Familie darüber gesprochen und wir haben das Kostüm entwickelt. Ich mag kreative Arbeit. Vielleicht wird es noch besser bei Skate Amerika – wenn ich das Programm so laufe wie ich es mir vorgenommen habe, wird alles crazy sein.

Dann hast Du keine Wettbewerbe bis zum GP?

Ja, ich werde beim Skate Amerika und der Trophe Eric Bompard auftreten, danach habe ich vor den französischen Meisterschaften noch Zeit zu Urmanov zu gehen. Also ich mache zwei Grand Prixs und dann werden wir weiter sehen.

Kannst Du noch paar Worte über Deine Kür sagen?

Ich wollte ein Tanzprogramm haben, also etwas ganz Neues nicht so eine klassische Musik, ich wollte neue Gefühle, neue Emotionen zeigen und diese auf dem Eis erleben. Dieses Programm ist im Moment mein Favoritprogramm!

Meinst Du ein Favorit von allen Deinen Programmen?

Schon, aber ich mag natürlich auch mein Brazil-Programm, oder das Programm zur Michael Jackson-Musik…

 Florent Amodio
Florent Amodio

Du hast auch eine neue Internetseite gestaltet…

Das hat meine Freundin für mich gemacht. Sie kennt sich gut in Informatik aus, hat dieses Fach viele Jahre studiert und wir haben entschieden – wir machen eine Seite für mich. Da kann ich einige Bilder teilen oder Informationen posten, einige interessieren sich dafür.

Zu Deinem Programm „I am happy“ hast Du eine schöne Aktion im Internet gestaltet. Erzähle bitte darüber…

Das war eine Herausforderung. Ich habe geschrieben, wenn jemand zwei Tickets für die Kür beim Masters de Patinage gewinnen möchte, sollte er/sie mir Fotos unter dem Motto „Glücklich auf Eis“ schicken. Ich bin so glücklich mit meinem Programm und ich wollte ein kleines Spiel gestalten. Und ich meine, es ist sehr wichtig mit den Zuschauern zu kommunizieren. Wir vergessen es manchmal und konzentrieren uns voll und ganz auf das Training. Ich habe ein gutes Gefühl mit meinem Training, mit meiner Familie, alles läuft gut und ich wollte dieses tolle Gefühl mit Menschen teilen. Ich weiß ja nicht, wie lange es mir noch bleibt – vielleicht beende ich meine Karriere in zwei oder drei Jahren – ich möchte eine Verbindung zu meinen Zuschauern haben.

So kommunizierst Du mit Deinen Fans…

Ja genau. Menschen mögen es. Und es macht mir auch Freude, dieses kleine Spiel zu gestalten, die Gewinnerin kommt morgen und wird zwei Tickets bei mir abholen. Klar, wir machen auch ein gemeinsames Foto und es gibt ein Autogramm dazu – sie wird sich freuen. Manchmal vergessen wir an die Menschen zu denken. Wir sind ja keine Stars oder so, aber wir geben ihnen ein Beispiel, eine Motivation eiszulaufen. Für uns ist es eine Kleinigkeit so was zu organisieren und für sie ist es eine Freude. Ich möchte es auch so weiter machen und meine Gefühle mit dem Publikum teilen.

Von Alexandra