Brian Joubert: Trainer zu sein ist interessant und schwierig zugleich

Brian Joubert
Brian Joubert

 

In den letzten 15 Jahren konnte man sich die Eislaufwelt ohne ihn nicht vorstellen. Weltweit hat er viele Fans mit seinen Auftritten begeistert, nach Olympia in Sochi beendete er seine Sportlerkarriere. Nun steht er vor einem Anfang: Der Trainer Brian Joubert berichtet in diesem Interview von seinen neuen Aufgaben und Zielen.

Brian, warum hast Du Dich entschieden, Romain Ponsart zu trainieren?

Ich kenne Romain bereits seit langer Zeit, etwa seit er acht Jahre alt war. Ich habe ihn in einem Trainingslager im Sommer getroffen, das ist schon lange her. Niemand hat in den letzten drei Jahren an ihn so richtig geglaubt und das war eine sehr schwere Zeit für ihn. Ich wollte ihm ein bisschen helfen. Und wenn ich als Trainer arbeiten möchte, muss ich jemanden trainieren, damit ich eine Lizenz bekomme. Romain zu trainieren, ist die beste Wahl für mich.

Und wie ist es Trainer zu sein?

Das ist schwierig. Denn ich kann nicht alles unter Kontrolle halten. Wenn Du selbst läufst, weißt du, wie du dich fühlst und was du zu machen hast. Wenn Du an der anderen Seite der Bordkante stehst, hast du diese Kontrolle nicht mehr. Anfangs war es für mich schwierig das zu akzeptieren, aber jetzt geht es. Ich kenne Romain gut und kann auch abschätzen, ob er sich gut oder schlecht fühlt, ob er sicher ist oder nicht. Aber das Schwierigste für mich war die Technik. Meine Technik – so wie ich springe – ist anders, als seine Art zu springen. Aber ich wollte nicht alles verändern oder alles zerstören- ich habe bloß versucht, ihm Sicherheit zu geben, so dass er mehr Stabilität und Sicherheit bekommt. Wir haben z B. an dem dreifachen Axel gearbeitet, ich habe seine Technik nicht verändert, aber einiges korrigiert, damit er sich dabei besser fühlt. Aber er springt nicht so, wie ich den dreifachen Axel gerne sehe.

Brian Joubert

Erzähl bitte mal über deinen Trainingslager im Sommer in Poitiers…

Weißt Du, das war interessant! Weil ich mit Eiskunstläufern mit verschiedenen Niveaus arbeitete – mit Anfängern und mit Romain, große Gegensätze! Das war eine interessante Herausforderung für mich. Als ich selber lief, schien für mich alles einfach zu sein. Klar, dass die Technik und die Sprünge dieselben geblieben sind. Aber es gibt so viele Methoden, sie den Eiskunstläufern beizubringen und zu erklären. Es gibt aber auch unterschiedliche Menschen und ich nutzte auch verschiedene Worte, um zu erklären, wie man springt. Manchmal kannst du andere Worte finden, um etwas besser zu erklären – und der Mensch dich wird sofort verstehen. Erkläre ich denselben Sprung und mit denselben Worten einem anderen Läufer, kapiert er es nicht. Dann muss ich mir was anderes einfallen lassen, eine andere Herangehensweise. Das ist sehr interessant für mich, interessant und schwierig zugleich. Und was noch sehr wichtig ist, ich bin sehr glücklich, weil in meinem Trainingslager eine gute Atmosphäre herrschte. Allen hat das Training gefallen und niemand hat sich dabei eine Verletzung zugezogen. Das war für mich wirklich das Wichtigste, dass sich keiner verletzt hat.

 

Und was hast Du selbst als Trainer gelernt?

Hm… Ich würde es nicht sagen, dass ich unbedingt etwas Neues gelernt habe, aber ich würde sagen, ich bin überrascht, dass ich nicht aufgeregt bin, dass ich mich dabei gut fühle, dass jeder Tag anders ist und dass es nicht langweilig wird. Es hat mich auch sehr überrascht, dass ich sehr geduldig sein kann.

Hast Du etwa gedacht, dass Du ungeduldig bist?

Ja. Ich weiß, dass ich strikt bin, aber ich kann gut über alles mit Romain reden und das ist die beste Art einandevbtGBr besser kennen zu lernen und jeden Tag sich zu verbessern.

Bist Du vor diesem Wettbewerb in Orleans aufgeregt?

Nein. Das ist der Anfang der Saison, wir haben viel gearbeitet. Unser Ziel ist die Trophee Eric Bompard und die französische Meisterschaft, vielleicht auch die EM und WM – hier ist es wie Training. Wir haben wirklich viel gearbeitet. Romain ist zwar nicht zu 100% bereit aber ich weiß genau, dass er sein Bestes geben wird, daran habe ich gar keine Zweifel.

Bist Du nun nach dem Wettbewerb mit Romain zufrieden gewesen? (Frage nach dem Wettbewerb)

Romain und ich sind sehr zufrieden, obwohl wir wissen, dass uns noch viel Arbeit bevorsteht. Das Kurzprogramm war gut, weil er gut vorbereitet war. An der Kür müssen wir aber noch viel arbeiten – sowohl an der Technik als auch an den künstlerischen Elementen.

Während der Kür hatte ich den Eindruck, dass Du nicht so zufrieden warst, Du hast sogar etwas geschrien…

Nach dem Flip habe ich ihm zugerufen – „schneller, schneller“ – weil ich bemerkte, dass er zu langsam läuft. Und das kann Fehler verursachen. Aber ich bin sehr glücklich und zufrieden mit ihm, weil es für ihn auch schwierig war, 40 Minuten auf seinen Start zu warten. Er ist es nicht gewohnt, als letzter zu starten.

Du kannst da ihm gut helfen…

Ja, damit er sich gut auf den Wettkampf einstellen kann.

War es nach der langen Pause kompliziert für Dich selbst bei Japan Open aufzutreten?

Das wäre ok gewesen, wenn jemand ein Jahr Pause hatte und nun einen Comeback plant- in diesem Fall trainierst du jeden Tag, weil es so geplant ist, verstehst Du was ich meine? In meinem Fall ist es anders. Ich habe mich entschieden, meine Sportlerkarriere nach Olympia in Sochi zu beenden. Danach habe ich nur wenig trainiert. Ich hatte nur zwei Wochen Zeit, um mich auf diesen Wettbewerb vorzubereiten. Physisch war es eine Katastrophe. Nach diesen sechs Minuten war ich komplett außer Puste. Sechs Minuten… Als ich auf das Eis kam, habe ich zu mir gesagt „Und was willst Du hier? Und wie wird das hier enden?“

Aber Du hast dort sicherlich wieder diese Wettbewerbsatmosphöre erlebt…

Nein, habe ich nicht. Denn Japan Open ist anders. Da muss man nur die Kür laufen und dass ist eher Unterhaltung. Aber es war eine interessante Erfahrung und es war gut für mich, weil ich wieder trainierte, was auch für die Shows wichtig ist.

Du machst jetzt viele Shows…

Für das Publikum und für die Organisatoren ist es wichtig, dass ich eine gute Qualität anbiete, deshalb war es ein guter Anlass, wieder mehr zu trainieren und zu arbeiten.

Brian Joubert und Romain Ponsart
Brian Joubert und Romain Ponsart

Für die Show „Snow King 2“? Was willst Du da laufen?

Das weiß ich noch nicht. Aber ich glaube, in diesem Teil werde ich mehr Auftritte haben. Im ersten Teil hatte ich nur zwei Rollen.

Warum hast Du für die Japan Open das Programm „The Matrix Reloaded/Requiem for a Dream“ genommen?

Weil ich dieses Programm nur zwei Mal gelaufen bin und weil ich es wirklich mag. Ich war einfach nicht vorbereitet. Das war nett für mich die Musik wieder zu hören und zu laufen, so gut ich konnte.

Für die Gala hast Du „Time to say good by“ gewählt. Hoffentlich willst Du damit nichts sagen…

Nein, das hat keine versteckte Bedeutung. Es handelt sich schlicht und einfach um den Musiktitel, mehr nichts. Aber ich werde schon das Eislaufen beenden. Nicht jetzt, aber bald. Ich will ja nicht mit noch 40 Jahren laufen. Aber so lange Menschen mich sehen wollen, werde ich kommen und laufen. Vielleicht wird es noch drei oder vier Jahre andauern, ich kann es nicht abschätzen, mal schauen. Wenn man mich in einer Show sehen möchte, laufe ich.

Hast Du nun jetzt mehr Zeit für dich selbst?

Nein, habe ich nicht. Das ist sogar schwieriger als früher. Weil ich immer irgendwohin fahre, immer unterwegs bin. Japan, Orleans, nächste Woche bin ich in Russland, um mich auf Snow King 2 vorzubereiten, dann Talinn. Das ist interessant, ich mag reisen. Für das Privatleben habe ich aber keine Zeit.

Brian Joubert

Bist Du mit dieser Situation zufrieden?

Ja, weil ich weiß, dass es vorübergehend ist. Mit 40 Jahren, wenn ich zurückblicke, werde ich denken, – es war eine schöne Zeit – du hast Shows gemacht, du warst überall, du bist bei der Japan Open gelaufen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben. Es ist zwar im Moment schwierig alles organisatorisch zu managen, vor allem für Romain, ich muss ja für ihn das Training planen, selbst wenn ich nicht in Poitiers bin.

Ist es für ihn schwierig, wenn Du abwesend bist…

Nein, das ist kein Problem, weil er weiß, was er zu tun hat. Wir haben viel gearbeitet, er ist technisch viel stärker geworden. Und wenn ich mal nicht da bin, hilft ihm meine Ex-Trainierin Veronique Guyon.

Dann stell Dir vor, Du bist 40 oder 50 Jahre alt… 

Ok…

Bist Du immer noch Trainer oder was machst Du?

Ich werde lange in der Eislaufwelt bleiben, ich mag sie sehr gerne…

Vielen Dank für das Interview!

Russisch

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