Katharina Müller und Tim Dieck: Wir sagen – man muss das Leben leben

Die Namen von Katharina Müller und Tim Dieck kennt man in Deutschland. Die beiden Dortmunder treten in der Kategorie Eistanz auf. In dieser Saison möchten die beiden ein Stück weiter gehen und präsenter auf der internationalen Bühne auftreten. In diesem Interview haben die Gewinner der NRW Sommer-Trophy erklärt, welche wichtige Botschaft sie mit ihrer außergewöhnlichen Kür an die Menschen richten wollen. In ihrem Kürtanz steht das Thema „Krebs“ im Mittelpunkt.

Könnt ihr ein bisschen über die Vorbereitung auf diese Saison erzählen?

Tim: Unsere letzte Saison war früher als gedacht zu Ende. Wir haben relativ schnell das Thema für eine neue Kür gefunden, mit dem Rhytmischen Dance war es schwer für uns, weil wir überhaupt nicht wussten, was für ein Thema in Rhythmdance in dieser Saison vorgegeben wird.

Katharina: Wir trafen uns mit einem Konzeptmaker und haben unsere Idee für die Kür ausgearbeitet. Das Thema ist ziemlich speziell, deshalb brauchten wir einen Choreografen, der uns passt und der gute Ideen hat. Vitali Schulz, unser Trainer in Dortmund bzw. unser Haupttrainer, meinte anschließend, dass für dieses Programm Elena Maslennikova perfekt wäre. So haben wir relativ schnell einen Termin mit ihr ausgemacht und sind nach Russland gefahren.

Wann wart ihr dort?

Katharina: Das erste Mal waren wir nur für eine Woche in Moskau um zunächst an der Choreografie zu arbeiten. Zu dem Zeitpunkt haben wir uns entschieden, dass wir von Amerika weggehen und in Russland eine neue Schule für unser Training finden wollen. Wir konnten unser Training in Amerika nicht mehr finanzieren. In Odinzovo, das ist ein Bezirk von Moskau, haben wir an unserer Kür mit Elena und parallel dazu mit Alexey Gorschkov gearbeitet. Als wir zurück in Deutschland waren, haben wir es mit Vitali Schulz noch mal besprochen, wir fanden es gut in Moskau zu trainieren und fragten nun nach, ob wir vielleicht zu Alexey Gorschkov wechseln. Vitali war davon begeistert und versicherte uns, dass er es uns zutrauen würde, erfolgreich in Russland zu arbeiten.

Tim: Wir waren im März zum ersten Mail in Russland und dann musste ich für paar Wochen zur Bundeswehr. Im Mai sind wir dann noch einmal nach Moskau geflogen, um das andere Programm aufzubauen, den Rythmdance, denn zu diesem Standpunkt stand es schon fest. In Russland haben wir den ganzen Sommer verbracht.

Katharina: Jetzt bleiben wir paar Wochen in Dortmund, weil wir ein neues Visum für Russland benötigen. Also wir versuchen, so lange es geht, in Russland zu trainieren, aber wir bekommen ein Visum momentan nur für drei oder vier Monate, deshalb müssen wir immer wieder zurück, um die Visa zu beantragen. In den nächsten Tagen müssen wir unsere Pässe wieder abgeben und dann hoffen wir, dass wir im September zurück nach Russland fliegen.

Gibt es einen großen Unterschied, wenn ihr Trainingseinheiten in Russland mit euren bisherigen Erfahrungen vergleicht?

Tim: Für uns ist es komplettes Neuland, ganz anders als in den USA, da gibt es keine Einzelstunden, sondern Gruppenstunden.

Der Trainer ist anwesend und schaut auf ein Paar, man läuft viel, trainiert sehr hart. Wir sind sehr zufrieden mit dem Training in Russland.

Katharina: Vom Charakter passt das Training in Russland einfach besser zu Tim und mir – von der Mentalität her, von den Anforderungen. Wir wollten selbst mehr und mehr trainieren und das ist etwas, was uns herausfordert. Die Trainer wissen, was sie verlangen können und sie sind sehr erfahren. Alexey Gorschkov ist sehr erfahren und wir vertrauen ihm voll und ganz.

Für die Kür haben Sie ein sehr schwieriges Thema gewählt. Das Thema „Krebs“. Wieso?

Tim: Wir sind auf das Thema gekommen, weil wir Anfang des Jahres davon betroffen waren. Meine Oma und Katharinas Opa waren an Krebs erkrankt und Anfang dieses Jahres haben sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Dann stand es im Raum, dass wir eine Kür zum Thema Krebs erarbeiten wollen. Wir haben tausende male mit dem Konzeptmaker überlegt, wie wir so etwas auf dem Eis darstellen und uns gefragt, wie kommt so was beim Publikum an.

Katharina: Wir wussten, dass es ein Risiko darstellt, weil es ein schwieriges Thema ist. Allerdings haben wir von Anfang an gesagt – wenn wir ein schwieriges Thema nehmen, dann wollen wir damit zum Schluss eine positive Nachricht übermitteln. Das ist das, was Tim und ich in der Situation gelernt haben. Ich habe bei der Beerdigung verstanden, wie wichtig es ist, eine Familie zu haben und wie schön es ist eine Familie zu haben die in einer schwierigen Situation für einen da ist. Das ist die Botschaft, die wir an die Zuschauer richten wollen. Wenn man so eine schwierige Situation überwunden hat – ob es Krebs ist oder eine andere schwierige Situation – lernt dadurch und macht Sinnvolles aus eurem Leben!

Und das wird im zweiten Teil der Kür übermittelt?

Tim: In der Kür gibt es drei Teile: Also im ersten Teil geht es darum, dass es diese Krankheit gibt, und diese Krankheit unbemerkt im Körper wächst.

Katharina: Der Mensch bemerkt nichts davon, das war bei unseren Großeltern auch so, dass sie nicht gewusst haben, dass sie Krebs in sich tragen und erst als es zu spät war, haben sie es erfahren.

Tim: Im zweiten Teil weiß der Mensch bzw. der Betroffene dass er an Krebs erkrankt ist. Wir haben recherchiert, wir haben es aus unserer Erfahrung übertragen, wie sich der Mensch dabei fühlt – er ist auf der einen Seite wütend, er hat Schmerzen, aber auf der anderen Seite gibt es zugleich Hoffnung. Wir zeigen die negative Stimmung aber gleichzeitig auch das Positive, dass es immer Hoffnung gibt.

Katharina: Kurz zusammengefasst: Es geht um den Kampf gegen die Krankheit und wir zeigen, dass es auf und ab geht.

Tim: Wie eine Achterbahn.

Katharina: Und der dritte Teil ist die Auflösung. Wir lassen es einfach offen, egal ob der Mensch überlebt oder stirbt, aber wir lernen in beiden Situationen das Gleiche, dass die Familie immer da ist , dass man stark bleiben sollte und aufmerksam auf andere achtet. Wir sagen damit…

Tim: dass man das Leben leben muss.

Aber das ist eine sehr große Herausforderung, dieses Thema auf das Eis zu bringen, wie waren die Reaktionen von anderen Sportlern und Sportverantwortlichen darauf?

Tim: Eigentlich haben wir bisher von anderen Sportlern noch keine Reaktionen.

Und der Trainer?

Tim: Vitali war geschockt…

Katharina: Wenn wir jemandem gesagt haben – wir laufen zu dem Thema Krebs, dann war die Reaktion sofort „Oh“…. Wenn wir aber begannen zu erklären, warum und wieso, wir das vorhaben, und erklären, was wir daraus gelernt haben, dann bekommt man eine ganz andere Reaktion. Die Menschen können es nachvollziehen. Deshalb haben wir es auf „youtube“ und in unserem blog erklärt , damit Menschen, wenn sie unsere Arbeit mitverfolgen, ein bisschen verstehen, was wir da machen.

Ist es schwierig, eine Kür zu laufen, wenn darin so viele persönliche Emotionen verarbeitet werden?

Tim: Wir machen es zum größten Teil, um für uns damit abzuschließen. Wir stellen uns vor, dass die Großeltern dieses Programm erlebt haben.

Katharina: Diese Kür ist eine Widmung für unsere Großeltern, ich weiß nicht, ob es schwieriger ist, diese Kür zu laufen aber manchmal ist es eher einfacher, weil diese Emotionen echt sind, wir müssen dafür nichts einstudieren. Ich bekomme selber, wenn ich mir vorstelle, dass mein Opa zuguckt, Gänsehaut. Unser Anspruch ist, die Kür zu verbessern und perfekt zu laufen.

Die Kostüme für diese Kür sind in Grau gehalten. Welche Idee steckt dahinter?

Katharina: Wir haben eine Tabelle erstellt, in der wir Farben von Stimmungen untersuchen. Darüber hinaus wurden wir von einem Video inspiriert – von Stromae, in dem er auch von der Krankheit Krebs singt und im Video sind wuchernde Wurzeln dargestellt.

Tim: Wir stellen dar, wie der Krebs wächst.

Katharina: Auf die Seite meines Kleides habe ich ein Röntgenbild von einer Krebszelle projiziert und gemalt, bei Tim haben wir darauf verzichtet, weil es sonst zu viel wäre. Wir wollten zunächst in beige halten, aber dann hat Alexey Gorschkov gesagt, dass er es optisch auf dem Eis nicht gut findet, dass wir dann auf der Eisfläche verlorengehen. Wir sollten mehr Kontrast haben und weil die Krebszelle grau sein sollte, haben wir uns insgesamt für das Grau entschieden. Wir wollten es auf jeden Fall sehr schlicht haben, weil die Kür so an Emotionen, an Stimmung und Musik geladen ist.

Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison gesetzt?

Tim: Wir möchten bei den großen Wettkämpfen dabei sein, also EM, Winteruniversiade und Weltmeisterschaft.

Ihr habt dieses Jahr auch eine GP-Etappe bekommen…

Katharina: Genau, wir waren überrascht, denn wir waren im Training so versunken so dass wir es nicht mitbekommen haben. Als wir gesehen haben, dass unsere Namen auf der Liste stehen, waren wir sehr froh. Wir werden jetzt noch bei zwei Challenger-Wettbewerben laufen, um uns darauf vorzubereiten und versuchen so gut wie möglich präsentieren.

Tim: Wir wollen uns gut präsentieren, da es das erste Mal ist, dass wir auf diesem Niveau laufen werden. Wir möchten uns in dieser Saison so präsentieren, dass wir in Deutschland als Paar angesehen werden, das das Neue ausprobiert.

Und für die Zukunft steht das große Ziel Olympia?

Katharina: Das steht für uns fest, wir haben gesagt, wenn nicht Olympische Spiel 2018, dann auf jeden Fall 2022. Es war für uns klar und wir haben nie anders gedacht. Wir werden jetzt Schritt für Schritt bis dahin gehen.

Tim: Für uns ist es wichtig, dass sich unser Sport in Deutschland weiter entwickelt und populärer wird, deswegen veröffentlichen wir youtubevideos und erklären viel via Blog.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Saison!

" Alex : ."

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