In einer Woche startet die Europameisterschaft in Ostrava, Tschechien, doch die Spannung wächst bereits jetzt. Werden die amtierenden Europameister ihre Titel verteidigen oder heißen die Europameister diesmal ganz anders? Viele Hoffnungen, Träume, Wünsche – manche werden Realität, manche nicht. Für einige Sportler kommt nur der erste Platz in Frage, für andere – ist ein Top-Ten-Platz oder Top-Fünf das begehrte Ziel.

Herren

img_8935Eigentlich sollte der amtierende Europameister Javier Fernandez seinen Titel wieder verteidigen. Das wäre dann zum fünften Mal in Folge! Immerhin gehört der ambitionierte Spanier zu den besten der Welt – schließlich ist Javier auch amtierender Weltmeister und will sicher seinen Titel verteidigen. Im Dezember präsentierte Fernandes in Madrid zum ersten Mal seine eigene Show – RevolutiON Ice – großer Erfolg! Seine Siege und zahlreiche internationale Titel haben dem spanischen Eiskunstlauf einen unheimlichen Schub gegeben und einem weiteren Sieg steht wohl nichts entgegen. Und wenn Javier das schafft und den fünften Europameister-Titel in Folge gewinnt, stellt er sich in eine Reihe mit dem berühmten Ondrej Nepela – der 5 mal in Folge (1969 -1973) Europameister wurde, eine besondere Pointe – Fernandez würde es in Nepelas Heimatland schaffen.

339860-e6c73-92031062-m750x740-ua82f2Auf einen Platz ganz oben würde sich Mikhail Kolyada der bei der russischen Meisterschaft mit stolzen 283,48 Punkten gewonnen hat, freuen. In Cheljabinsk zeigte er sogar (mit Fehler) einen vierfachen Lutz. Das könnte sein Trumpf im Kampf gegen Fernandes in Ostrava werden, doch dafür muss Mikhail beide Programme sauber laufen. Alexey Bychenko aus Israel, der im vergangenen Jahr in Bratislava den zweiten Platz belegte, würde sicherlich auch seinen Erfolg wiederholen. Auch sein Landsmann Daniel Samohin und Alexander Majorov aus Schweden könnten Top-Fünf bestreiten.

Maxim Kovtun

Maxim Kovtun

Für die Top-Fünf gibt es auch genug Spannung: – Sicherlich will Michal Brezina vor seinem Heimpublikum sein Bestes zeigen und wird auch um einen Podiumsplatz kämpfen. Auch der Franzose Chafik Besseghier könnte ihm dabei die Stirn bieten, schließlich kann der Franzose auch 3 Vierersprünge in seiner Kür zeigen, was er bei den französischen Meisterschaften in Caen demonstrierte. Wenn er sie steht und seine Programme sauber läuft – könnte es ganz knapp für die Top-5 werden. Man darf auch den Russen Maxim Kovtun nicht vergessen, wenn er es schafft, beide Programme sauber zu laufen, ist er ein ernst zu nehmender Kandidat.

 

Damen

339860-eaec1-99310950-m750x740-u9eda9Bei den Damen könnte es wieder zu einem internen Kampf zwischen drei Russinnen kommen. Die amtierende Weltmeisterin Evgenia Medwedewa, Anna Pogorilaya und Maria Sotskova könnten definitiv die ersten drei Plätze unter sich auslaufen. Nur eine Dame aus Italien könnte diesen Erfolg streitig machen. Die zurückkehrende Prima des Eiskunstlaufens und ehemalige Weltmeisterin und 5-fache Europameisterin, die schöne Carolina Kostner, wird ihnen den Kampf ansagen! Allerdings ist die Europameisterschaft für Carolina nach ihrer Disqualifizierung der erste große Wettbewerb in dieser Saison und. Sie könnte wirklich alle Karten für den Damen-Podest mischen und für eine Hochspannung bei der Damenkonkurrenz sorgen. Auch die Französin Laurine Lecavelier könnte sich mindestens auf Top-Fünf freuen, das Potenzial dazu hat sie und zeigte neulich beim Mentor Cup eine starke Kür und nach dem 8. Platz im KP den Wettkampf gewann.

Paare

339860-da9e6-99310942-m750x740-u70068Bei den Paaren sieht alles nicht so deutlich aus. Klar, dass die Russen Evgenia Tarasova und Vladimir Morozov, die Sieger von Marseille die besten Chancen haben, auch das europäische Gold zu gewinnen. Ihre Teamkollegen Ksenia Stolbova und Fedor Klimov könnten sich in den Kampf um die ersten Plätze einmischen. Doch sie verpassten wegen der Ksenias Verletzung die erste Hälfte der Saison, und es fehlt ihnen die Wettbewerbserfahrung. Ob es ein Nachteil oder Vorteil ist – sehen wir wohl erst in Ostrava. Doch die härteste Konkurrenz für die Russen kommt wie gewohnt aus Deutschland.

img_6478Aliona Savchenko und Bruno Massot haben ihre beiden Grand-Prix-Etappen gewonnen, mussten aber leider wegen Alionas Innenband-Verletzung am Fuß das Finale in Frankreich absagen. „Ich hatte noch nie eine Verletzung, die so lange dauerte. Aber die Ärzte haben mir gesagt, dass eine Heilung acht bis zwölf Wochen dauert“, sagte die fünffache Weltmeisterin gegenüber dpa. Hoffentlich hatte Savchenko genug Zeit, um diese Verletzung auszukurieren. Wenn ihr Fuss in Ostrava „mitmacht“– könnten sich Aliona und Bruno über den ersten gemeinsamen europäischen Titel freuen. Allerdings werden sie wahrscheinlich sich schonen und eine leichtere Variante der Programme zeigen.

img_2855Unheimlich stark geworden, sind auch die Franzosen – Vanessa James und Morgan Cipres. In dieser Saison haben sie bereits Bronze beim Grand Prix de France gewonnen – und sie könnten auf jeden Fall um Podiumsplätze kämpfen. Vanessa und Morgan haben in dieser Saison das Trainerteam gewechselt, sie trainieren bei John Zimmermann in Florida. Auch sie werden definitiv volles Risiko gehen und Ultra-Si-Elemente wie Quad-Twist zeigen. Interessant werden sicherlich die Aufritte der Junioren-Weltmeistern aus Tschechien Anna Duskova und Martin Bidar, die vor Heimpublikum definitiv ihr Bestes geben werden.

 

Eistanz

img_2804Werden die Franzosen Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron zum dritten Mal in Folge Europameister werden? 99 Prozent der Eiskunstlauffans würden wohl sagen – ja. Auch in dieser Saison sind ihre eleganten Auftritte wahre Meisterstücke. Sie halten die Zeit und Atem. „Unser Ziel ist es – Emotionen zu kreieren. Manchmal, wenn Sie ins Ballett gehen und die Geschichte nicht kennen – aber trotzdem werden sie von den Emotionen erfasst – das ist wahre Interpretation. Wenn Sie Scheherazade oder Charlie Chaplin spielen – das ist alles deutlich, aber Gabriella und Guillaume wollen das nicht. Sie wollen mehr. Es ist schwierig zu beschreiben. Ich glaube, das artistische Niveau ist so hoch, weil das sehr kompliziert ist. Es ist leicht, gewisse Kostüme anzuziehen, um einen Charakter zu spielen, aber sie wollen das nicht. Sie wollen sie selbst bleiben und tiefe Emotionen ausdrücken. Das hat ihnen im vergangenen Jahr den Erfolg gebracht und ich bin sicher, in diesem Jahr könnte es auch erfolgreich sein – wenn sie dabei technisch sauber laufen“, sagte ihr Trainer Romain Hagenauer in einem Interview und er dürfte Recht haben. Wenn die Franzosen technisch sauber laufen, werden sie gewinnen. Ihre Tänze sind pure Emotion, die auf der kalten Eisfläche explodiert. Es wird schwierig, beide zu übertreffen.

Die Ex-Weltmeister aus Italien Anna Kappellini und Luca Lanotte sowie die drei russische Paare, vor allem Ekaterina Bobrova und Dmitri Soloview und Alexandra Stepanova und Ivan Bukin, werden ihr Bestes geben, um den Franzosen den Sieg zu entreißen und sich einen Podiumsplatz zu sichern. Auch das neu gebildete spanische Eistanzpaar Sara Hurtado und Kirill Khaliavin könnten für schöne, angenehme Überraschungen sorgen. Auch Isabella Tobias und Ilia Tkachenko werden definitiv schöne Auftritte zaubern.

Man kann viel über Eiskunstlauf diskutieren, prophezeien, analysieren – doch Sport bleibt Sport. Klar ist nur: In Ostrava wird es spannend sein. Viel Glück für alle Sportler!