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Alisa im Land des Tanzes

%d0%b0%d0%bb%d0%b8%d1%81%d0%b0Alisa Agafonova und Alper Ucar gelten eher als Exoten im Eiskunstlaufen, sie sind die einzigen Eistänzer, die die Türkei repräsentieren und sie machen das sehr gut! Weltweit fiebern zahlreiche Eiskunstlauffans mit, deren Herzen die beiden in den Jahren bereits erobert haben. Sie haben es wirklich nicht leicht gehabt – vor einem Jahr mussten sie Russland und ihren langjährigen Trainer Alexander Zhulin verlassen, doch trotz allem sind sie da, sie tanzen, sie lächeln, und zeigen ihre Geschichten auf dem Eis. Jetzt trainieren sie in Detroit bei Anzhelika Krylova und Pasquale Camerlengo. 

Alisa, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Alper?

Mit Alper laufe ich ungefähr sieben Jahre zusammen. Er war 25 als er vom Einzellauf zu den Eistänzern wechselte. Ich bin erst jetzt 25 Jahre alt und wenn ich mir vorstelle, dass ich nur im Einzellauf aufgetreten wäre und dann ein Junge zu mir käme und sagte – Alisa, jetzt machen wir Hebefiguren und Twizzles – ich würde es nicht schaffen.

Wie war es am Anfang?

Wir wurden als Paar wurde vor sieben Jahren zusammen gestellt, ich erinnere mich, als ich im Flugzeug saß und wusste ich nicht einmal, wer auf mich wartet. Natalia Dubova rief mich an und sagte bloß – es gibt einen jungen Mann, bzw. einen Verband, der bereit wäre, alles zu finanzieren und dich zu unterstützen. Und ich setzte mich in den Flieger. Erst später erfuhr ich, dass die Rede von der Türkei war und mein Partner ein Türke sei. Ich konnte es nicht glauben und fragte ihn nach – stimmt das wirklich? Und er sagte – ja das stimmt.

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Wie ist de Beziehung jetzt zu ihm?

Alper hat sehr viele Ambitionen, was für mich auch ein großer Anreiz gewesen war. Im Training will er alles perfekt ausführen, alles bis zu Ende schleifen. Wenn wir zusammen arbeiten, dann geben wir wirklich alles. Es ist erstaunlich, wie er seinen Körper fit hält, jetzt ist er 31 Jahre alt, das heißt, er ist für das Eislaufen nicht mehr der Jüngste. Und ich verstehe, wie viel Mühe es ihn kostet und wie hart er daran arbeitet. Alper unterstützt mich bei Allem und egal, was bei unseren Auftritten passiert, wir sagen immer zueinander   – bloß lächeln und wir halten zusammen.

Was haben Sie bereits erreicht?

Inzwischen haben wir viel erreicht. Wir sind das erste türkische Eistanzpaar in der Geschichte des türkischen Eiskunstlaufens, wir waren das erste Eistanzpaar, das den türkischen Eiskunstlauf im Eistanz bei den Olympischen Spielen repräsentiert hat, wir waren die ersten, die für die Türkei bei einer WM starten durften, wir haben Grand Prix Etappen. Alper hat sich aus einem ehemaligen Einzelläufer zu einem sehr guten Eistanzpartner entwickelt und ich würde mich nie in meinem Leben für einen anderen entscheiden, selbst wenn man mir jemanden vorschlagen würde. Die Türkei hat uns alles zur Verfügung gestellt und gute Bedingungen für das Training geschaffen.

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Seid ihr mit dem Auftritt in Moskau zufrieden?

Wir hätten vier Punkte mehr bekommen können, aber es gab einige wenige Fehler im Kürtanz. Doch insgesamt sind wir zufrieden, wir haben den 8. Platz belegt und haben wichtige Punkte für die Rankingtabelle geholt.

Wo werden sie demnächst noch auftreten?

Jetzt sind wir in Moskau, dann fahren wir nach Weißrussland (Alisa und Alper sind dort zweite geworden) und dann sind wir bei der Tallinn Trophy.

Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison gesetzt?

img_6373Bei den Weltmeisterschaften möchten wir unter den Top 16 sein, damit wir die Qualifikation für die Olympiade schaffen. Wir möchten nicht wieder extra nach Oberstdorf fahren und uns bei der Nebelhorn-Trophy für die Olympischen Spiele qualifizieren, wie es in 2013 war. Das kostet viel zu viel Kraft und bedeutet Stress. Unsere Startquote für Olympia in Sochi 2014 haben wir damals erst in Oberstdorf geschafft und das war für mich wohl der schwierigste Wettkampf in meiner gesamten Karriere gewesen. Deshalb möchten wir jetzt gerne unter die Top 16 bei der Weltmeisterschaft landen und bei der Europameisterschaft möchten wir es unter die Top 10 schaffen. Bisher haben wir immer den 12. Platz belegt, dann möchten wir uns verbessern.

Alisa, erzähl bitte über eure neuen Programme

Pasquale Camerlengo ist sehr kreativ und Anzhelika Krylova unterstützt uns als Trainer und fördert, was die Technik und unsere Leistung betrifft. Wir haben ein sehr internationales Trainerteam – eine Russin, einen Italiener und wir – eine schöne Mischung! (lacht)

Unsere Programme hat Pasquale choreografiert, er hat auch die Musik ausgewählt und die Idee für den Tanz gefunden. Jetzt arbeiten wir daran, dass ich selbst beim Tanzen mehr zur Geltung komme, weil Alper sehr emotional und sehr tänzerisch wirkt und manchmal «überdeckt» er mich. Wir müssen jetzt eine andere Alisa herausholen und zeigen. Man sagt, ich kann es, aber leider zeige ich diese Alisa nicht.

Und was meinst Du selbst dazu, kann Alisa mehr?

Klar, kann ich mehr zeigen, aber alles beginnt wirklich im Kopf. Wir treten für die Türkei auf und wir hatten viele Schwierigkeiten in unserer Eislaufkarriere, wenn man z. B. an all unsere Umzüge denkt. Wenn wir auf dem Eis stehen, denke ich, ich muss unbedingt alle Elemente sauber ausführen und deswegen kann ich den Tanz nicht genießen, weil ich immer unter Druck stehe. Vielleicht, wenn wir ein anderes Land vertreten würden, würde ich mich selber nicht so unter Druck setzten. Ich muss alle Elemente sauber laufen, damit wir auf unsere Wertung kommen.

dsc_5216Bei einer Eisgala sieht vieles anders aus?

Ja, total. Es ist natürlich schwieriger bei einer Eisgala aufzutreten, wenn die Saison läuft und diese Saison ist die wichtigste vor den Olympischen Spielen. Danach beenden wir unsere Karriere.

Welche Sprache sprecht ihr beim Training? Englisch?

Ja, klar! Ich verstehe zwar Türkisch, aber ich brauche diese Sprache jetzt nicht unbedingt. Alper kann gut Russisch sprechen, weil wir drei Jahre in Moskau trainierten und wenn man im Land ist, lernt man die Sprache automatisch.

Nachdem ihr Russland verlassen habt, was passierte danach?

Das Problem bestand darin, dass Russland die Arbeitsvisa für ungültig erklärte und wir hatten Arbeitsvisa. Deshalb mussten wir das Land mindestens für sechs Monate verlassen und irgendwo bleiben. Im Prinzip könnten wir wieder einreisen, aber dann müssten wir trotzdem irgendwo 6 Monate überbrücken. Für diesen Wettkampf mussten wir extra ein Visum beantragen.

Das war eher eine Vorsichtsmaßnahme des Verbandes, sonst könnten wir nirgendwo trainieren. Und das war unmittelbar vor der Europameisterschaft und es könnte passieren, dass wir zu einem Wettkampf reisen und dann würde man uns nicht mehr ins Land hereinlassen. Deshalb mussten wir schnell nach einer passenden Lösung suchen.

Klar, dass dieser Umzug eine große Tragödie für uns war, wir mögen Sascha (Alexander Zhulin – Anm. der Red) sehr und haben immer noch sehr gute Beziehungen zu ihm. Auch jetzt sind wir ständig im Kontakt und er hatte sofort Verständnis für unsere Situation gehabt. Ich möchte betonen, dass er auch jetzt noch unser Mentor und guter Freund bleibt und er hat wirklich viel für den türkischen Eiskunstlauf geleistet, wir sind zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen und dafür sind wir ihm sehr dankbar.

Bist Du oft zu Hause?

Sehr selten. Meine Mutter ist jetzt nach Moskau zum Grand Prix gekommen, ich habe sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen und als wir uns endlich hier getroffen haben, standen Tränen in ihren Augen. Ich kann ja auch nicht so oft nach Hause fahren und sie kann nicht oft zu den Wettkämpfen reisen, weil sie ja berufstätig ist.

Und Alper?

Seine Mutter ist auch hier beim Cup of Russia, sie arbeitet beim türkischen Verband als Managerin für internationale Beziehungen und ist hier als Team-Leader.

dsc_5073Was machst Du in der Freizeit?

Ich habe keine Freizeit, aber z.Z. lerne ich Französisch, es fällt mir sehr schwer, da ich in der Schule Deutsch hatte. Aber in der deutschen Sprache ist alles klar und geregelt. Doch die Franzosen schreiben ein Wort mit 10 Buchstaben und es werden nur drei davon gelesen (lacht). In Detroit sind wir von früh bis spät in der Eishalle, wir sind viel auf Reisen, deshalb gibt es wirklich nicht so viel Freizeit.

Hast Du Vorbilder beim Eistanzen?

Beim Eistanzen mochte ich das Eistanzpaar Denkova und Staviski sehr, sie hatten es auch nicht immer leicht und ihr Laufstil inspiriert uns. Die beiden haben alle Schwierigkeiten überwunden und ihr Ziel erreicht. Ein gutes Beispiel für uns!

Alisa, vielen Dank für das Gespräch!

Alexandra Ilina, Moskau