Alexander König: Arbeit mit Aliona und Bruno macht mir Spaß!

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Alexander König stellt sich einer großen Herausforderung: Seit zwei Jahren arbeitet er mit dem deutsch-französischen Top-Paar Aliona Savchenko und Bruno Massot zusammen. Er begleitet sie durch Höhen und Tiefen, trainierte sie trotz einer langen Zeit der Ungewissheit, als sie auf ihre Starterlaubnis hofften. Inzwischen sind alle Probleme gelöst. Beim Cup of Russia – Gold, bei der Trophee de France – Gold – es scheint nichts und niemand kann sie stoppen.  

Herr König, Könnten Sie uns erklären, wie es zu der Zusammenarbeit mit Aljona und Bruno gekommen ist?

Es ist so, als wenn es gestern gewesen wäre. Es war im Oktober vor zwei Jahren, ich bin durch den Ort gelaufen, als mein Telefon klingelte, rief mich Aliona an. Sie fragte, ob sie mit Bruno nach Oberstdof kommen könnte. Ich antwortete – „Du kannst immer nach Oberstdorf kommen, natürlich!“ Und sie sagte: „Nein Sie verstehen mich nicht, ich frage, ob Sie unser Trainer werden wollen“. Ich sagte – „Oh, das weiß ich nicht, darüber muss ich zunächst nachdenken, und ich ruf dann zurück“. So war das. Ich bin in mich gegangen, und habe mich selber gefragt, ob ich es schaffe, weil ich viele andere Schüler habe und mein Tag schon sehr voll war. Und da kommt noch so ein Top-Team mit hohen Ambitionen. Ich musste darüber nachdenken und später sagte ich: „Jawohl, kommt doch mal her, wir lernen uns kennen, und vielleicht passt es ja“.

img_6225Mit wie vielen Sportlern arbeiten Sie jetzt?

Insgesamt habe ich 13 Schüler. Es sind auch Einzelläufer dabei. Aber nicht auf diesem Niveau wie Aliona und Bruno, das ist ein anderer Level.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem anderen Co-Trainer, mit Jean-Francois Ballester?

Sehr gut! Sehr gut!

Teilen Sie die Aufgaben?

Nein. Der Kollege arbeitet in der Schweiz, auch mit Paaren und mit Einzelläufern und wir sind nur bei den Wettbewerben zusammen. Wenn es Fragen oder Probleme gibt, dann tauschen wir uns aus.

Ich habe in Moskau mit Fans gesprochen und viele haben den Eindruck, dass Aliona sich in diesen zwei Jahren verändert hat. Als Person. Sie ist viel zugänglicher geworden und wirkt anders als zuvor, stimmt es?

Es ist gut, das höre ich auch von vielen. Aber ich kannte sie jetzt vorher nicht so gut. Ich habe vorher Aliona und Robin sehr gemocht und sehr geschätzt, aber ich hatte nicht diesen direkten Bezug zu ihr, ich hab sie nicht so kennen gelernt.

Wie könnten Sie die beiden jetzt beschreiben?

Sie ist ein Genie, sie ist eine Paarlaufqueen mit ihren Titeln und mit ihrer Beliebtheit nicht nur bei dem Publikum, sondern auch bei den Preisrichtern. Aliona ist sehr beliebt, und Bruno war in den Augen der Preisrichter eher wie ein Holzfäller…

img_7149Wie kann man gegen so einen Vorurteil kämpfen?

Indem man fleißig arbeitet und versucht ihm klar zu machen, dass nicht die Aliona seinen Holzfällerstil annimmt, sondern er das königliche Laufen von ihr anzunehmen versucht. Und das bedeutet tägliches Üben und tägliches Arbeiten. Jetzt ist er, finde ich, auf einem sehr guten Weg.

Was ist bei dieser Arbeit besonders schwierig für Sie?

Schwierig sind die Stimmung, die Motivation, die Atmosphäre und der Ton zwischen den beiden, damit sie ein professionelles Niveau erreichen.

img_7155Ist es jetzt nicht so?

Sie müssen sich es so vorstellen, es ist wie eine Ehe und wenn man über mehrere Wochen zusammen ist, wenn die erste Verliebtheit vorbei ist, dann kommt der Alltag. Und im Alltag gibt es Stress und Meinungsverschiedenheiten.

Müssen Sie schlichten?

Vermitteln! Da muss man seine Antenne ein bisschen spitzen und die Zwischentöne hören: Was will diejenige, was will derjenige? Denn oft ist es so, dass in einer angespannten Situation sehr kurze Sätze und sehr emotionale Sätze gesprochen werden – obwohl eigentlich ein ganz anderer Wunsch dahinter steckt. Da muss man die weibliche Ausdrucksweise von Aliona für ihn übersetzen, und ihr seine Männersprache verdeutlichen.

img_8530Wie steht es um Brunos Deutsch?

Ja, das kommt auch noch dazu, sie hat russisch-ukrainische Muttersprache, er hat französische Muttersprache und meine Muttersprache ist Deutsch. Es ist schwer. Es ist sehr anstrengend.

Kommt Bruno mit der deutschen Sprache voran?

Ich werde jetzt das mal testen. Bruno sagt immer – es ist alles gut.

img_8604Aber Sie sprechen Deutsch mit ihm?

Ich spreche mit ihm Deutsch. Wenn wir auf dem Eis sind, ich habe keine Lust, zu übersetzen. Ich sage etwas auf Deutsch und er guckt mich an, was ich meine- dann spreche ich Englisch, so dass ich als Trainer eine Chance habe, verstanden zu werden, was wichtig ist.

Profitieren auch andere ihrer Sportler davon, dass sie mit diesem Top-Paar trainieren?

Ja, ich denke schon, dass es jedem ein bisschen Motivation bringt. Auch für unseren kleinen Eislaufort Oberstdorf, ist es natürlich prima, dass die beiden bei uns sind, und dort trainieren. Das ist eine Auszeichnung.

Viele Paare trainieren jetzt Viererwürfe, gehen ein hohes Risiko ein. Lohnt es sich überhaupt?

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Das ist Sport. Der sportliche Gedanke ist bei den „Kindern“ dominant, sie wollen natürlich den Sport voranbringen, und mit einem Vierfachen ist man auf einer anderen Ebene. Das Risiko ist sehr hoch, da haben Sie recht! Wir Trainer müssen das gut ausbalancieren, denn eine Verletzung an Fuß oder Knie kostet sehr viel Trainingausfall. Aliona und Bruno sind ständig auf der Suche nach neuen Elementen. Zum Beispiel ist das reverse Lasso von vorwärts gehoben, diese Art der Kreativität bringt unseren Sport auch weiter.

Das man immer was drauf haben will?

Genau.

Haben Sie als Trainer Vorbilder?

Meine kanadischen Kollegen faszinieren mich, auch Michael Huth, mein Kollege in Oberstdorf, er hat auch eine ganz spezielle Art zu couchen. Man kann auch viel lernen, wie Frau Mozer ihr Team aufbaut. Ich finde es gibt viele Kollegen, bei denen man viel abgucken kann.

Wer hatte die Idee, die jede Woche Wettbewerbe zu simulieren, damit Aliona und Bruno zwei Wochen hintereinander wettbewerbsfähig bleiben (für Cup of Russia and Trophee de France)?

Das war meine Idee. Und ich glaube, wir hatten uns viel Mühe gegeben, alle Abläufe zu gestalten: eine Auslosung zu machen, sich einzulaufen, für KP und die Kür.

Wer hat die Rolle der Preisrichter übernommen?

Ich! Ich habe auch versucht, ein paar Leute in die Halle zu bestellen, es waren 5 bis 10 Personen in der Halle, die geklatscht haben. Das KP war nicht so gut, deshalb habe ich den beiden nur den dritten Platz gegeben. Aber am nächsten Tag war die Kür sehr gut und ich sagte: „Heute seid ihr auf den ersten Platz gekommen. Herzlichen Glückwunsch!“ Auch eine Siegerehrung hatten wir. Und einmal ist Aliona bei so einem „Wettbewerb“ gegen eine Bande gefallen und da habe ich überlegt, was mache ich, wenn es einen echten Wettbewerb wäre? Ich habe dann die Rolle des Schiedsrichters eingenommen, die Musik ausgemacht und gefragt – wie geht Dir? Alles ok? Sie sagte – ja ok. – Dann hast Du eine Minute Zeit, dann geht die Musik wieder an und du kannst das Programm fortsetzten.

Sie sind aber hart… War es nicht anstrengend für die beiden, vor den „echten“ Wettbewerben jede Woche noch bei diesen simulierten Wettbewerben zu laufen?

Nein! Wir haben zwei Wochen hintereinander Wettbewerb, wir müssen das doch üben!

Ich habe gelesen, Aliona und Bruno legen viel Wert auf tänzerische Elemente, warum?

Wir wollen auch schauen, dass unsere Sportart nach vorne kommt. Nicht nur durch den Vierfachen, sondern auch durch die Qualität der Choreografie und die Qualität des Programmes. Wir wollen, dass der Zuschauer eine Paarlaufkür sieht, die wie aus einem Guss gestaltet ist. Also nicht dieses stereotype Element – Choreografie – Element   – Choreografie zeigen, sondern dass alles ineinander übergeht. Es war unser Ziel, dass der künstlerische Aspekt in den Fokus gerückt wird und nicht nur „Wegwerfen“, Drehen, Landen…

Was möchten Sie noch unseren Lesern sagen?

Ich kann nur jedem Dank sagen, der sich für unseren Sport interessiert – außerhalb der Eishalle. Man sieht ihn nicht viel im Fernsehen und das ist total schade. Es wird von der Generation vermisst, die es gewohnt war, Eislaufen im Fernsehen zu schauen. Die junge Generation weiß gar nicht, was Eiskunstlaufen ist.

Ja, aber Jugendliche schauen Eiskunstlaufen im Internet…

Das sind diejenigen, die sich durch Familie oder Bekannte dafür interessieren.

img_6478Was kann man dagegen machen?

Man könnte die Fernsehanstalten ermahnen, dass sie den Fußball reduzieren sollten und die wahre Sportkultur in den Mittelpunkt stellen. Es gibt Sportarten, wo du auch gewisse Werte erkennen kannst. Das ist Turnen, Eiskunstlauf zähle ich jetzt auch dazu, Gymnastik. Also Sportarten, wo du durch viel Training, Fleiß, Schweiß und Arbeit zu einem gewissen Niveau kommst, um auftreten zu können. Das sind Werte unserer Gesellschaft, wo du ohne Dankeschön, ohne Bitteschön, ohne Respekt, ohne Demut, gar nicht weiter kommst. Und ich finde, es fehlt und macht unsere Gesellschaft immer ärmer. Die Medien sind so präsent, sie sollten sich darum kümmern, sie haben die Verantwortung und Verpflichtung, darüber zu berichten. Stattdessen liest du dann über einen Fußballer, der seine Socken auf links oder auf rechts anzieht. So was liest du dann…

Was haben Sie als Trainer in dieser Zeit für sich selbst gelernt?

Oh, für mich ist es eine große Herausforderung, diese zwei Top-Athleten auf ihrem Weg zu begleiten und zu versuchen, sie auf diesem Weg nach vorne zu bringen, sich zu verbessern. Das ist ein Challenge, das macht mir Spaß!

Herr König, vielen Dank für Das Gespräch!

Alexandra Ilina, Paris