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Wer führt den deutschen Eiskunstlauf aus der Krise?

Die deutschen Meister im Eiskunstlauf sind gekürt. Doch die Meisterschaften in Neuss verursachten nicht nur die Freude, wieder vor getesteten Zuschauern laufen zu dürfen, sondern auch ein ambivalentes Gefühl mit sich.  Zum einen hatte man sich riesig auf das Wiedersehen mit den deutschen Top-Läufern gefreut, die ihre schönen Programme präsentieren durften, zum anderen aber wurde mehr als deutlich, dass der deutsche Eiskunstlauf in einer tiefen Krise steckt und einen außerordentlichen „Reset“ braucht, um nicht in eine Sackgasse zu schlittern. Diese Meisterschaften haben verdeutlicht, dass es für die teilnehmenden deutschen Eiskunstläufer bei den Olympischen Spielen mehr als schwierig sein wird, mit internationalen Sportlern mithalten zu können. 

Doch besorgniserregender ist eine andere Frage: Was passiert nach Olympia? Doch das ist eine Frage der Zukunft. 

Also zurück zur Gegenwart:

Das Berliner Eiskunstlauf-Paar Minerva Hase und Nolan Seegert hat den Titel im Paarlauf gewonnen. Und zwar mit einer persönlichen Bestleistung von 197,64 Punkten! Es bleibt nur Minerva und Nolan viel Erfolg in Peking zu wünschen und die Daumen zu drücken, dass sie in Peking unter den zehn besten Paaren der Welt landen. Einen zarten Hoffnungsschimmer für die Zukunft des deutschen Eiskunstlaufens lieferten auch Ruben Bloemmart und Alisa Efimova. Gleich bei ihrem ersten gemeinsamen Wettbewerb konnten sie sich gut behaupten und die Zuschauer beeindrucken – trotz der kurzen gemeinsamen Trainingszeit konnten sie enorm viel erreichen. Nun darf man hoffen, dass der russische Verband eine Freigabe für Alisa erteilt und auch in diesem Fall muss man die Daumen drücken, dass alles wirklich passt, so dass das neue deutsche Paar eine gute Zukunft hat. 

Allerdings wurde der Paarlaufwettbewerb von der Nachricht überschattet, dass dem besten deutschen Paarlauftrainer, Alexander König, der das Traumpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot zum olympischen Gold geführt hatte, von der DEU als Bundestrainer gekündigt wurde. Es ist schwierig, diese Nachricht zu kommentieren und dabei neutral zu bleiben. Von Unverständnis bis zum Schock könnte man die Gefühlspalette beschreiben und trotzdem kein passendes Wort für dieses Handeln finden. Denn gerade König mit seinem Renommee und seiner einzigartigen Expertise könnte den neuen deutschen Paaren helfen, den steinigen Weg nach oben zu finden.  

Doch auch wenn man im Paarlauf noch etwas Bewegung sehen konnte, sieht es in den anderen Disziplinen noch komplizierter aus: Der Berliner Paul Fentz gewann in Neuss zwar seinen vierten nationalen Titel, doch wer wird Deutschland nach seinem Karriereende vertreten? Angesichts des Punktunterschieds zwischen dem ersten und zweiten Platz ist dies eine wohl berechtigte Frage, die in der Zukunft auch die deutsche Eiskunstlaufwelt beschäftigen wird.

Paul Fenz hat sein Bestes gezeigt: 206.84 Punkte

Im Eistanz kam es zu einer Überraschung: Die Dortmunder Topfavoriten Katharina Müller und Tim Dieck mussten sich nur mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Deutsche Meister wurden diesmal Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan aus Oberstdorf. Wenigstens bei dieser Disziplin konnte man einen spannenden Wettkampf beobachten.

Bei der Damenkonkurrenz gab es keine Überraschung, die beste deutsche Eiskunstläuferin, Nicole Schott, hat den deutschen Titel erneut gewonnen, den sechsten in ihrer Karriere. Allerdings wird es für sie sehr schwierig werden, mit ihrem technischen Content auf internationaler Bühne mitzuhalten.

Wer könnte nun den zweifelsohne angeschlagenen deutschen Eiskunstlaufsport wieder auf einen hoffnungsvollen Weg bringen, wenn der beste „Guide“ nicht mehr führt?  Diese Frage ist z.Z. unbeantwortet und ist auch nach diesen deutschen Meisterschaften in Neuss weiterhin offen.

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