Shpilband: „Man kann von jedem lernen, aber nicht kopieren!“

 

Igor Shpilband

Mit Igor Shpilband haben wir uns in Grenoble, bei der GP-Etappe getroffen. Gleich drei Paare aus seiner Trainingsgruppe waren dort in der Kategorie Eistanz vertreten. Seine Choreografien sind originell gestaltet und seine Paare erzielen immer hohe Bewertungen. In Grenoble sprachen wir über seine Sportler, über die Vorbereitung auf die Olympia-Saison sowie über die Besonderheiten der lateinamerikanischen Tänze. Außerdem schilderte Igor Shpilband in diesem Interview, was seiner Ansicht nach dem Publikum in einer olympischen Saison unbedingt zu vermitteln ist.

 Igor, wie läuft es jetzt in ihrer Trainingsgruppe?

Ich glaube, es läuft alles gut und dieser Wettbewerb in Grenoble ist sehr, vor allem für Medisson und Evan, wichtig. Sie müssen sich für das GP-Finale qualifizieren. Ich begleite hier auch ein französisches Paar Angelique Abachkina und Louis Thauron sowie die Amerikaner Elliana Pogrebinski und Alex Benoit. Das sind junge Paare, junge Hoffnungsträger. Das ist bereits die zweite GP-Etappe, die wir alle zusammen absolvieren. Vor einer Woche war ich mit den Ukrainern Alexandra Nazarova und Maxim Nikitin sowie mit Penny Coomes und Nicholas Buckland in Japan unterwegs. Penny und Nicholas wurden für diese GP-Etappe quasi in der letzten Sekunde nominiert – als Ersatzpaar. Für sie war diese Teilnahme an der GP-Etappe sehr wichtig, denn sie haben die gesamte letzte Saison verletzungsbedingt ausgelassen. Das ist ein großer Schritt Richtung Comeback.

Wie sieht es mit Junioren aus?

Im Moment habe ich zwei sehr gute Juniorenpaare. Das sind z. B. Christina Carreira und Anthony Ponomarenko, sie bereiten sich für das Finale vor. Es gibt auch noch ein Paar, das sich gerade für die Teilnahme an der WM qualifizieren möchte, es war auch bei den GP-Etappen dabei. Ich spreche von Avonley Nguyen und Vadym Kolesnik.

Wodurch unterscheidet sich die Vorbereitung auf die Olympische Saison?

Die Olympische Saison ist auf jeden Fall mit einer besonderen Verantwortung verbunden und ich habe mehrere Paare, die sich für die Teilnahme qualifizieren können. Meine Sportler waren in Oberstdorf bei der Qualifikation sehr erfolgreich. Da haben ein koreanisches, ein tschechisches und ein britisches Paar eine Startquote bekommen.

Wie viele Paare aus ihrer Gruppe werden in Korea an den Wettkämpfen teilnehmen?

Bis jetzt haben sich vier Paare qualifiziert, wenn sich Medisson und Evan bei den nationalen Meisterschaften in den USA auch qualifizieren, wären sie die Fünften. Außerdem gibt es noch das französische Paar und man wird eine Entscheidung über ihre Olympiateilnahme bei einer nationalen Meisterschaft treffen. Mit anderen Worten: Vier Paare haben sich bereits qualifizieret, zwei weitere Paare haben sehr gute Chancen, bei Olympia dabei zu sein.

Kommen Sie selber nach Nantes zu den französischen Meisterschaften?

Nein, leider klappt es nicht, schließlich liegt dieser Wettbewerb zeitlich sehr nah am GP-Finale und gleichzeitig finden die Tschechischen Meisterschaften statt – es gibt in dieser Zeitperiode mehrere Wettbewerbe.

Heißt es, dass Fabian Bourzat Ihr Paar in Nantes begleiten wird?

Ja, Fabian fährt dorthin.

Welche Akzente haben sie bei der Choreografie gesetzt, als sie erfahren haben, dass Latina in dieser Saison Pflicht ist?

Wir arbeiten schon lange mit dem Ballettpaar Steve und Susanne MacLaren, sie sind aus Michigan. Außerdem haben wir Oxana Solotorevskaja eingeladen, die sich auf Latina spezialisiert hat. Sie arbeitet in Miami, aber sie kam extra zu uns, um den Sportlern bei der Umsetzung Latina zu helfen. Ich mag Latina sehr, diese Tänze sind sehr lebendig und energetisch. Die Beziehung zwischen den Partnern tritt dabei in den Vordergrund und ihre Fähigkeit, den eigenen Körper zu beherrschen. Ich meine, die Tänze sind bei allen unseren Paaren sehr gut gelungen. 

 

Wer hat die Kostüme gestaltet? Madisson hat ein sehr interessantes Kleid…

Wir haben einen Designer und wir haben die Kostüme in diesem Jahr in Montreal schneidern lassen. Das Kostüm soll die Wirkung des Paars unterstreichen und hervorheben. Ich glaube, wir bewegen uns in die richtige Richtung.

Viele sprechen von dem besonderen Stil von Gabriela Papadakis und Guillaume Cizeron. Wie würden Sie ihren Stil beschreiben? Werden Sie eventuell künftig etwas in gleicher Richtung gestalten?

Die beiden haben bei dem Wettkampf in China auf sich aufmerksam gemacht, als sie überraschend den Kürtanz zur Mozart-Musik gewonnen haben. Sie haben einen emotionalen und ausdrucksvollen Laufstil, sie sind sehr plastisch, vor allem der Partner. Das kann nicht unbeachtet bleiben. Das ist die Qualität. Ich kann es nicht als einen Stil bezeichnen, die Qualität wird aber immer geschätzt. Ich meine, man kann von jedem etwas lernen, aber nicht kopieren. Madisson und Evan haben auch ein eigenes Gesicht, eine eigene Richtung, die sie entwickeln. Und das ist richtig so, denn das Original ist immer besser als eine Kopie.

Was möchten Sie durch den Tanz Ihrem Zuschauer vermitteln?

Ich würde gerne von den Programmen von Medisson und Evan berichten. Der Kurztanz ist sehr interessant geworden, wir wollten ein Risiko eingehen und Pattern zu einer schnelleren Musiksequenz gestalten. Das habe ich fast bei niemandem in dieser Saison gesehen. Alle versuchen Drehungen, Chocktau, Klammern zu einer langsamen Musik zu machen, so ist es einfacher. Wir wollten uns dadurch von anderen unterscheiden und es anderes gestalten. Klar, dass es schwieriger ist, aber dass verleiht dem Tanz die Lebendigkeit und macht es für das Publikum interessanter.

Den Kürtanz für diese Saison haben wir zu dem Lied „Imagine“ von John Lennon choreografiert. Diese Musik ist sehr interessant und wir haben viel an der Musik gearbeitet. Ich hoffe, dass die Zuschauer dieses Programm mögen. Die Musik haben wir zusammen ausgewählt und die beiden wollten zu einem Lied von John Lennon laufen. Auch ich mochte das Lied. Ich bin der Meinung, dass man für eine olympische Saison eine besondere Musik wählen sollte. Dadurch kann man mehrere Menschen erreichen und sie für unsere Sportart interessieren. Die aktuelle Situation in der Welt, diverse Anschläge – da bleibt niemand gefühllos. Und John Lennon plädiert für den Frieden und für die Liebe. Das ist eine sehr wichtige Botschaft, die wir dem breiten Publikum mit auf den Weg geben möchten. Wann kann man das sonst noch schaffen, wenn nicht während einer Olympischen Saison?

Können Sie sich erinnern, welche Olympiade die erste war, die sie als Zuschauer verfolgt haben und wen haben sie unterstützt?

Die ersten Olympischen Spiele, die ich im TV gesehen habe, fanden 1976 in Innsbruck statt. Da lief noch Ljudmila Pachomova. Noch vor der Olympiade kam sie zu uns in die Eishalle und hat mit uns gearbeitet. Wir alle unterstützten sie und ihren Partner Alexander Gorschkov. Bei dieser Olympiade war die Kategorie Eistanz zum ersten Mal vertreten.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Alexandra Ilina, Grenoble