Die deutschen Eistänzer Shari Koch und Christian Nüchtern haben wirklich viel erlebt. Ihre Karriere war von vielen Ups und Downs geprägt. Dennoch haben sie immer  alles geschafft – und zwar  zusammen. darüber erzählen sie in diesem Interview und sprechen von ihrem großen Ziel: Sie möchten sich für Olympische Spiele qualifizieren. Der Countdown läuft…

(c) Foto: Shari Koch und Christian Nüchtern

Sie sind jetzt bei der Eislaufschule von Barbara Fusar Poli in Italien. Sie arbeiten auch mit Stefano Caruso. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Wir haben letztes Jahr im Juni ein zwei wöchiges Sommertraining in Mailand absolviert, weil wir einfach mal raus aus Deutschland und sehen wollten wie die internationale Konkurrenz trainiert. Wir hatten schon einige positive Dinge von der Eistanzschule von Barbara Fusar Poli gehört und waren neugierig auf etwas Neues. Uns haben die zwei Wochen in Italien dann tatsächlich so gut gefallen, dass wir uns entschieden haben unseren Trainingsort von Berlin nach Mailand zu verlegen.

Erzählen Sie bitte von Ihrer Trainingsgruppe, wie sieht die Beziehung zu den anderen Paaren, und den Trainern aus?

Die Beziehung zu dem gesamten Trainingsteam ist generell sehr freundschaftlich. Dadurch, dass fast alle Paare für andere Nationen (insgesamt 6: GER, ITA, SVK, JAP, POL, SUI) laufen entsteht eigentlich kaum Konkurrenzkampf. Jeder läuft für seine eigenen Ziele. Trotzdem ist es zeitgleich sehr motivierend zusammen auf dem Eis zu stehen und zu sehen was für Fortschritte auch die anderen machen. Das ist ein großer Ansporn, jeden Tag aufs Neue, sein Bestes zu geben.

Sie laufen schon lange zusammen und haben viele Ups und Downs im Sport erlebt. Was wären die Highlights Ihrer Karriere? Gibt es etwas, was Sie bereuen oder anders machen würden?

Zu jeder sportlichen Karriere gehören die Ups und Downs zusammen und das macht jeden Sport, aber besonders als Paar auch gerade aus. Alle positiven aber auch negativen Trainingstage, jede Träne nach enttäuschenden – aber auch jedes Glücksgefühl nach erfolgreichen Wettbewerbsergebnissen, waren für etwas gut, haben uns nicht nur sportlich, sondern auch persönlich weitergebracht und in den letzten Jahren immer mehr zusammenschweißen lassen. Bereuen tut man sicherlich immer irgendetwas aber letztendlich lernt man aus Fehlern und wird dadurch stärker.

Ich weiß, dass es sogar Zeiten gab, dass Sie aufhören wollten. Nach einer langen Pause feierten Sie ein Comeback. Was hilft ihnen in den schwierigeren Zeiten?

Shari: Bei mir ist es definitiv der Rückhalt der Familie und Freunden. Es tut gut zu wissen, wenn man Menschen an seiner Seite hat, die immer an einen glauben. Wenn es im Training mal nicht so lief wie geplant oder man gerade eine schlechte Phase durchläuft hilft mir immer ein bisschen Ablenkung mit Dingen, die nichts mit dem Sport zu tun haben. Ich kann in dieser kurzen “Auszeit“ wieder neue Energie sammeln um am nächsten Tag erneut im Training anzugreifen.

Ich denke besonders wichtig ist aber auch der Zusammenhalt in unserem Paar selbst. Nach fast 10 Jahren gemeinsamen Trainingsjahren, kennt man die Stärken und Schwächen des Partners ganz gut. Wir versuchen immer möglichst über alle Probleme offen zu sprechen und diese gemeinsam zu lösen und ich denke das gelingt uns meistens auch ganz gut.

Christian: Ich kann mich da nur anschließen. Für mich ist das auch ganz klar die Familie und meine engsten Freunde. Es ist schön, dass man auch in den schwierigsten Zeiten Menschen hat, die einen unterstützen.

Die wichtigste Stütze aber geben wir uns als Paar selbst. Wir laufen jetzt schon so eine lange Zeit zusammen und haben gemeinsam sehr viele schöne und nicht so schöne Dinge erlebt. Dennoch haben wir es immer irgendwie alles geschafft – zusammen.

Wie kam Ihr Paar zustande?

Shari: Unsere gemeinsame Karriere begann 2008. Ich kam aus dem Einzellaufen und konnte aufgrund eines Knorpelschadens im Fußgelenk nicht mehr Springen, da ich bei jeder Landung Schmerzen verspürte. Da ich den Sport nicht aufgeben wollte und ich immer schon den tänzerischen Teil des Eislaufens sehr mochte, kam ich auf die Idee es mit dem Eistanzen zu versuchen. Ich hatte dann erfahren, dass Christian zu dieser Zeit auf der Suche nach einer neuen Partnerin war. So vereinbarten wir ein Probetraining und es klappte von Anfang an so gut, dass wir beschlossen zusammen ins Sommertraining zu gehen um uns auf die kommende Saison vorzubereiten.

Sie haben einmal gesagt, sie wollen es unbedingt zu den Olympischen Winterspielen 2018 schaffen. Wird nun die deutsche Meisterschaft in Frankfurt der wichtigste Wettbewerb für Sie, um den Startplatz zu bekommen?

Die Deutsche Meisterschaft in Frankfurt ist nicht allein entscheidend wer den Startplatz für die Olympischen Spiele bekommt. Die Punkte aus drei Challenger Wettbewerben + der Deutschen Meisterschaft werden zusammengerechnet, wobei das schlechteste Ergebnis gestrichen wird.

(c) Foto: Shari Koch & Christian Nüchtern

Wie verlief die Vorbereitung auf diese Saison, erzählen Sie über beiden Eistänze?

Bereits im April haben wir mit dem Aufbau der Programme in Mailand begonnen. Parallel dazu haben wir besonders an unserer Ausdrucksfähigkeit und unserer Technik gearbeitet. Aber auch abseits vom Eis haben wir Athletiktraining und Tanzstunden, insbesondere Parketttanzen (Samba und Rhumba) absolviert. Während den Sommermonaten Juli und August waren wir dann zu Trainingslagern in Courchevel (FRA), Cerreto Laghi (ITA) und Charlotte (USA).

Welche Ziele setzen Sie für diese Saison?

Unser Ziel ist es das 1. Eistanzpaar in Deutschland zu werden und uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren

Sie sind bereits bei internationalen Wettkämpfen aufgetreten, in dieser Saison. Wie schätzen Sie ihre Auftritte ein?

Wir hatten einen sehr guten Auftakt der Saison mit unserem Short Dance bei der ´Ondrej Nepela Trophy´ in Bratislava. Wir haben uns gut präsentiert, waren sehr zufrieden mit unserer Performance und auch mit der Punktzahl, die wir erhalten haben. Leider hatten wir dann einen Fehler in der letzten Hebung unsere Kür, der uns sehr viele Punkte gekostet hat. Trotzdem bekamen wir gutes Feedback für beide Programme. Dies hat uns sehr motiviert weiter an uns zu arbeiten, vor allem daran das so ein Fehler nicht noch einmal passiert.

In dem nächsten Wettkampf ´Minsk-Arena Ice Star´ in Weißrussland haben wir zwei sehr gute Programme gezeigt. Leider waren wir etwas enttäuscht über unsere Levels im Short Dance und hatten daher nicht die beste Ausgangsposition um in die Kür zu starten. Trotzdem schafften wir es, nach dem 11. Platz im Short Dance, noch die 6. Kür zu laufen und somit einige Plätze gut zu machen.

Mögen Sie Latina?

Ja, definitiv. Wir durften schon im Juniorenbereich (Saison 2011-2012) die Erfahrung mit dem damaligen Pflichttanz ChaCha machen. Es war unser Lieblings- Short Dance, mit dem wir auch eine Top 10 Platzierung bei unserer ersten Juniorenweltmeisterschaft erreichten. Daher haben wir uns auch sehr gefreut als wir erfuhren, dass die Rhumba für die Olympiasaison gewählt wurde.

Wo werden sie demnächst noch auftreten?

Als nächstes werden wir die “Open d´Andorra“ in Canillo laufen. Unsere Performance dort werden wir zur Vorbereitung auf unseren letzten Challenger Wettbewerb in Zagreb (Golden Spin of Zagreb) nutzen, bei dem wir 2 Wochen später an den Start gehen. Daraufhin folgt schon die Deutsche Meisterschaft Mitte Dezember in Frankfurt, wo sich dann auch schlussendlich entscheiden wird welche Wettkämpfe wir noch diese Saison laufen werden.

Schauen Sie, wie die anderen Eiskunstläufer laufen, unterstützen sie jemanden? Gibt es Vorbilder für Sie?

Natürlich schauen wir auf die internationale Eiskunstlaufweltspitze. Ist gibt immer andere Athleten von denen man etwas lernen, sich inspirieren und motivieren lassen kann. Erst einmal unterstützen wir alle Paare, die in unserem Trainingsteam laufen. Wenn man jeden Tag zusammen trainiert, freut man sich auch über die Erfolge der anderen und verfolgt die Wettkämpfe, auch wenn man selber vielleicht gerade nicht dort teilnimmt.

Shari, Sie haben in Bochum Medienwissenschaft / Politik, Wirtschaft & Gesellschaft studiert. Warum haben Sie gerade diese Fächer gewählt?

Ich habe nach meinem Abitur zunächst 2 Semester BWL studiert und habe gemerkt, dass mir die Thematik nicht so liegt und mir irgendwie zu trocken ist. Ich habe mich dann durch einer meiner Freundinnen für Sozialwissenschaften inspirieren lassen.

Mich interessieren allgemein gesellschaftliche Prozesse und Entwicklungen – genauer gesagt, was sich tagtäglich zwischen Menschen in verschiedenen Lebensbereichen abspielt und wie sich das Zusammenspiel zwischen Politik, Gesellschaft und Medien gegenseitig bedingen.

Christian, bei Ihnen war es BWL, so viel ich weiß – warum?

Ich glaube, dass ich mir mit einem BWL-Studium ein sehr breites Angebot an möglichen Berufen offen halten kann. Außerdem liegen meine persönlichen Interessen in Wirtschaft und Politik.

Bleiben Sie später dem Sport verbunden oder möchten Sie etwas ganz anderes machen?

Shari: Vor ein paar Jahren habe ich bereits den C-Trainerschein (Breitensport) gemacht. Ich habe definitiv Spaß daran Kindern das Schlittschuhlaufen beizubringen und somit auch als Trainerin zu arbeiten. Jedoch möchte ich auch gerne noch neue Erfahrungen in anderen Bereichen kennen lernen und kann mir den Trainerberuf somit nicht unbedingt hauptberuflich vorstellen.

Christian: Ich denke einem Sport, dem man so viel gegeben hat und durch den man so viel erlebt hat, bleibt man ewig verbunden. Aber ich freue mich auch auf neue Erfahrungen abseits vom Eis nach meiner sportlichen Karriere.

Was möchten Sie ihren noch Fans sagen?

Wir würden uns sehr freuen, wenn viele Zuschauer bei den Deutschen Meisterschaften im Dezember in Frankfurt dabei wären.

Vielen Dank für das Interview!