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Der Name Alexander Zhulin ist jedem in der Eiskunstlaufwelt bekannt, seine Eistänzer treten fast bei jedem großen Wettbewerb auf und die Tänze, die er gestaltet – bleiben lange in Erinnerung. Außergewöhnlich, einfallreich, elegant – so könnte man seine Programme beschreiben. Nicht alle wissen, dass er in seiner Freizeit auch für die russische TV-Show „Eiszeit“ arbeitet und verschiedene Gala Nummern für ehemalige oder pausierende Eiskunstläufer choreografiert, die mit prominenten Amateuren zusammen laufen. Alexander schafft alles! Wie? – erklärt er in diesem Interview.

Alexander, haben Sie eine Formel für einen idealen Tanz?

Für einen idealen Tanz? So ein Tanz beinhaltet feines Musikgefühl, sehr sauber ausgeführte Elemente, Charisma der Läufer, so dass man beim Zuschauen Gänsehaut bekommt.

Vorauf haben Sie mit ihren Sportlern besonders viel Wert bei der Vorbereitung zu dieser Saison gelegt?

Wir haben den Kürtanz im Stil modern gestaltet und das Programm mit choreografischen Elementen voll zu packen. Dabei haben wir viel Wert darauf gelegt, dass der Tanz nicht so aussieht, dass man nur Hand in Hand läuft. Wir haben darauf geachtet, dass es keine leeren Stellen gibt, also „kein Wasser“ vorhanden ist. Ich mag es nicht, wenn man von einem Element zu dem anderen läuft – also etwas ausführt, weiter läuft, noch ein Element ausführt und so weiter. Ich meine, das ganze Programm soll wie ein Kunstwerk aussehen. Wir haben es so gestaltet. Ob und wie es angenommen wird, werden die Preisrichter und Zuschauer entscheiden.

Mögen Sie Hip-Hop?

Ich habe Programme für meine Sportler nicht zu Hip-Hop gestaltet, weil ihnen dieser Stil nicht passt. Deshalb habe ich mich entschieden, dass sie zu Swing laufen. Aber wenn es sein sollte, klar, würde ich den Tanz auch zu Hip-Hop choreografieren, auch Fachleute dazu einladen. Ich sehe darin wirklich kein Problem, es ist so, dass meinen Eistanzpaaren besser Swing passt.

Könnten Sie sich vorstellen, wie man Papadakis und Cizeron übertrumpfen könnte?

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Cizeron hat fast gar keine Makel, was die Linien betrifft. Was den Tanz selbst angeht, die Franzosen erzählen dabei in der Regel keine Geschichte. Das ist so ein Stil – Modern: der Tanz läuft und du verstehst – ja, das ist wahnsinnig schön, aber du verstehst nicht, worum es genau geht. Wenn man genauso saubere Linien, mit genauso qualitätsvollen Elementen zeigt und dabei noch zusätzlich eine Geschichte schildert – dann könnte es eventuell was bringen. Aber ich betone es nocheinmal, die Franzosen sind sehr stark und der Partner ist die führende Persönlichkeit in diesem Paar. Guillaume beherrscht seinen Körper genauso gut wie die Balletttänzer, das können nur sehr wenige. Katja und Dima verkörpern klar einen Mann und eine Frau, das könnte man noch besser hervorheben. Wichtig ist, ein richtiges Programm zu wählen, eine gute Idee und eine gute Geschichte dazu zu haben.

In Eistanzen ist die Situation besonders spannend. Es gibt fünf oder sechs Paare, die um jeden Platz kämpfen können. Und jedes Paar, wenn es fantastisch läuft, darf auf die höchsten Plätze hoffen. Es gibt keinen klar ausgeprägten Leader im Eistanzen, obwohl ich weder Franzosen noch Kanadier live gesehen habe. In solchen Fällen, müsste man am besten alle Paare in einer Warm-Up-Gruppe sehen, dann wird eigentlich alles klar.

Wie beeinflusste Sie als Trainer die Disqualifizierung von Katja und Dima

Das war für uns alle eine sehr schwere Situation, wir mussten neue Programme für die neue Saison gestalten und wir wussten nicht einmal, ob sie überhaut laufen dürfen. Wir wussten nicht, ob wir eine Starterlaubnis bekommen, es war wirklich sehr sehr schwer. Aber sie haben es geschafft, durchgehalten und zum Glück wurde alles geklärt. Aber psychologisch standen wir und besonders Katja unter Druck.

Und Sie?

Wie soll ich Ihnen es am besten erklären, ein Trainer hat immer Sportler und nach Katja und Dima werde ich auch jemanden trainieren. In diesem Fall machte ich mir Sorgen wirklich um Katja und Dima, ich meine persönlich, weil sie mir sehr nahe sind, sie sind für mich wie meine eigenen Kinder. Deshalb war es für sie schwieriger als für mich. Ich werde auch demnächst neue Eiskunstläufer trainieren, ich plane ja noch lange als Trainer zu arbeiten.

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Sie haben gesagt, dass die Eiskunstläufer für Sie wie eigene Kinder sind. Aber manchmal müssen sie gehen, den Trainer wechseln, selbst wenn sie es nicht wollen – wie es im Fall von Alissa und Alper war.

Ich pflege immer noch sehr gute Beziehung zu den beiden. Die Situation hing nicht von ihnen ab und als sie gingen, weinten sie. Das war wirklich er Fall, wenn man machtlos ist. Anders war als bei Iliinykh und Katsalapov oder Pechalat und Boursat. Das war sehr schwer, wenn Menschen einfach eine Entscheidung treffen, ihr Glück woanders zu suchen. Für einen Trainer ist es schwer damit klar zu kommen, denn du gibst wirklich alles, arbeitest mit der ganzen Seele. Inzwischen gewöhnt man sich daran. Ich hoffe, dass ich mit Katja und Dima bis zur nächsten Olympiade zusammen arbeite und dann werden wir die Entscheidung treffen: Entweder sie beenden ihre Karriere oder sie laufen weiter – wir werden sehen.

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Wie schaffen Sie es, die Arbeit als Trainer der Top-Läufer mit der Arbeit in der TV-Show „Eiszeit“ zu vereinbaren?

Ganz einfach, jetzt habe ich mit meinen Sportlern gearbeitet und direkt gegenüber ist eine andere Eishalle, wo ich in TV-Show tätig bin, ich gehe gleich dorthin und bleibe bis 24 Uhr.

Wie halten Sie diese Belastung durch?

Wissen Sie, ich bin daran gewohnt, das mache ich bereits seit 10 Jahren und ich habe einen klaren Tagesablauf: von 9 bis 16 Uhr arbeite ich mit Sportlern und um 16 Uhr fahre ich dorthin. Ja, das ist physisch schwer, aber ich habe eine große Erfahrung damit, ich weiß selber nicht mehr, wie lange es dauert – 10 oder 11 Jahre? Aber es ist völlig ok.

Gibt es Unterscheide bei der Arbeit mit Eiskunstläufern im Sport und für die TV-Show??

Denken Sie daran, dass es nur eine TV-Show ist und kein Sport. Hier handelt es sich um ganz andere Programme, bei denen wir Nachteile der Schauspieler überdecken und ihre Vorteile hervorheben.

Gibt es Unterscheide bei ihrer Arbeit?

Die Sportler drehen durch, weil die Schauspieler noch nichts können. Die Sportler wollen sofort Leistung zeigen und man muss mit ihnen sprechen und erklären. Erfahrene TV-Show-Eiskunstläufer wie Marinin oder Tichonov wissen inzwischen, dass sie flexibel sein sollen und anpassen sich. Maxim Trankov (er ist zum ersten mal dabei – Anm. der Red) hat jetzt so viel Kampfgeist, als ob er bei der dritten Olympiade am Start steht. Wir versuchen ihm klar zu machen, es geht hier um etwas ganz anderes.

Im Sport sind sie durch die angegebenen Elemente bei der Choreografie begrenzt, in der Show müssen sie die Nachteile der Amateure kaschieren. Wo ist es für Sie interessanter gestalterisch zu arbeiten?

Ich träume davon, dass unsere aktiven Eiskunstläufer wenigstens zu 50 Prozent so spielen könnten, wie die Schauspieler, damit sie eine Geschichte rüberbringen. Es gibt sehr gute Schauspieler, die eine Geschichte schildern und die Eiskunstläufer können es so nicht, weil sie diese künstlerischen Fähigkeiten nicht besitzen und keine Schauspielerschule besucht haben. Im besten Fall wünsche ich mir, dass sie in ihren Sportprogrammen so spielen, wie die Schauspieler in der TV-Show.

Vielen Dank für das Gespräch!

Alexandra Ilina aus Moskau