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*** English below ***

Es ist kalt in der Eishalle in Poitiers, die Kinder, die gerade auf dem Eis Pirouetten trainieren, sind warm angezogen, ihre Eltern sitzen auf der Tribüne mit warmen Decken zugedeckt und beobachten das Training. Draußen herrschen hochsommerliche Temperaturen, so dass alle in den Pausen zwischen zwei oder drei Trainingseinheiten die Sonne genießen. Nur einer bleibt in der Eishalle. Nur einer geht selbst für 15 Minuten während Eisaufbereitung nicht nach draußen – der Trainer – Brian Joubert.

Selbst diese kleinen Pausen nutzt er um mit Eltern alles zu besprechen, zu erklären oder ein Autogramm zu geben oder ein Selfie mit Kindern zu schießen. Das volle Programm von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr abends.

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Von 8. bis 26. August veranstaltet der Weltmeister und dreifache Europameister Brian Joubert ein Trainingslager in Poitiers. Kinder und Jugendliche – (insgesamt 72 Läufer!) sind nicht nur aus ganz Frankreich, sondern auch aus Belgien, Luxemburg und sogar Russland gekommen, um mit dem Weltmeister zu trainieren und um ihre läuferischen Fähigkeiten oder Sprünge zu verbessern. „Er gibt meinen Söhnen Selbstvertrauen und Mut und das ist das Wichtigste“, erklärt eine Mutter, die auf der Tribüne sitzt und ihre Kinder auf dem Eis beobachtet. Für sie ist es ein wenig schwieriger – die beiden Brüder sind in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. „Ich finde es toll, dass er unterschiedliche pädagogische Einsätze hat“, sagt die Pariserin und lächelt. Das sei der beste Weg für junge Sportler, Sicherheit auf dem Eis zu bekommen. Ihre Söhne sind seine Fans seit sie sechs Jahre alt sind und sind sehr glücklich dabei zu sein.

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„Für viele Kinder ist er ein Star, ich habe in der Umkleidekabine auf mehreren Handys viele Bildschirm-Fotos mit ihm gesehen, sie sind alle glücklich hier zu sein“, erzählt Olga, die aus sibirischen Krasnojarsk nach Poitiers gekommen ist.

„Tres bien“, ruft Brian und nickt zu einem Jungen aufmunternd, der gerade einen Sprung gut gelandet ist. Vincent ist heute 16 geworden und nach dem Training gibt es für ihn sogar Kuchen! Doch jetzt muss er springen! Und landen! „Spring noch mal“, sagt Brian einer anderen Sportlerin – er habe ihren ersten Sprung nicht gesehen. Angeblich. „Klar hat er alles gesehen, er möchte einfach, dass wir mehr leisten und mehr springen“, schmunzelt sie und versucht ihr Bestes. Und wenn sie mehr zu springen hat, dann springt sie eben, um einen „pas mal“ oder“ tres bien“ oder sogar „molodez“ (russ. gut gemacht!) zu hören.

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Die kleineren Kinder sind besonders wissbegierig – sie fragen Joubert „Löcher in den Bauch“, und für jede einzelne Frage hat er eine Antwort parat und einigen Läufern spendet er den Trost – falls etwas nicht klappt und die Tränen in den Augen glänzen. „Ich muss als Trainer die Läufer verstehen, ich muss ihre Stimmung wahrnehmen, verstehen, welchen Charakter sie haben. Wenn ich es verstanden habe, finde ich für jeden Einzelnen eine Lösung “, erklärt Brian. Besonders schwierig sei es für ihn richtige Worte zu finden, Worte für jeden einzelnen Läufer, weil sie alle unterschiedlich sind. Deshalb versucht er jedem Sportler das Gleiche mit unterschiedlichen Wörtern zu erklären.

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Ab und zu zeigt Joubert selbst – wie in einer Zeitlupe, wie man die Geschwindigkeit und mehr Schwung in die Pirouetten bekommt oder wie man sich bei den Drehungen helfen kann.

Aber nicht nur an der Technik wird gearbeitet. „Wir hatten sogenannte Improvisationen, er schaltet die Musik ein und wir müssten etwas zeigen, was künstlerisch schön ist“, erzählt Olga. Auch kleine Wettkämpfe untereinander gibt es. „Für die Gewinner hat er sogar Preise vorbereitet – nette Kleinigkeiten“, schmunzelt die Sportlerin, indem sie das erzählt sie in der Pause und trinkt einen warmen Tee.

„Die meisten jungen Leute sind ein wenig schüchtern, und wenn ich die Musik einschalte, möchten sie stehen und sich nicht bewegen. Aber sie müssen es tun, sie müssen es lernen, das ist wichtig für Wettbewerbe und für das Selbstbewusstsein auf dem Eis. So versuche ich ihnen diese Hemmungen zu nehmen“, erläutert der Trainer seine Vorgehensweise.

Jetzt erklärt der mehrfache französische Meister den Kleinen die Unterschiede zwischen den Sprüngen. „Werden wir auch den Lutz probieren?“, fragt ein kleines Mädchen. „Lutz?“ – Joubert fragt nach und scheint überrascht zu sein, zieht ein strenges Gesicht und schüttelt mit dem Kopf, doch dann lächelt er – alles scheint wie ein Spiel zu sein, später zeigt er den gewünschten Lutz. Klar doch!

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„Ich glaube, viele sind sehr zufrieden mit dem Training und sie fragen mich, wann ich meine eigene Schule eröffne. Sie möchten nach Poitiers kommen, in Poitiers bleiben und mit mir arbeiten. Ich bin sehr glücklich für diese Zukunft zu arbeiten“, sagt Brian. Er ist sicher: „Ich mag es früh morgens aufzustehen, in die Eishalle zu gehen, um den Kindern das Eislaufen beizubringen“.

 

Jetzt steht es fest – das ist nicht nur der bloße Wunsch – Trainer zu sein – Brian wird ein Trainer. Er ist schon einer. Und zwar ein sehr guter!

FOTOS

INTERVIEW

“Tres bien” on the ice in Poitiers

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It is cold in the ice rink in Poitiers, children are training some pirouettes on the ice, they are dressed warmly, their parents are sitting on the tribune covered with warm blankets and watching the training. Outsides the rink is hot weather, so that they enjoy the sun during the breaks between two or three training sessions on the day. Only one person stays at the rink during the whole time. Only one does not go outside even for 15 minutes during ice-resurfacing outsides –the coach stays – it is Brian Joubert. During these little breaks he discusses with parents, explains something to them or gives even some autographs.

The world champion and three-time European champion organized from 8. to 26. August his training camp in Poitiers. Children and teenagers (72 skaters in total) come to Poitiers not only from the whole France but also from Belgium, Luxembourg and even Russia to train with the world champion and to improve their skating skills or jumps. „He gives my sons confidence and courage, and that’s the most important thing,“ one mother said , she sits in the tribune and watches her children skating on the ice. For her it is a little bit difficult – the two brothers are divided into different groups due to their skills. “I like, that Joubert uses different pedagogic and exercises”, the Parisienne said. Her sons are his fans since they are 6 and they are very happy to be here.

„For many children, he is a star, I have seen in the dressing room his pictures on their phones, they all are very happy to be here,“ Olga says, the athlete came from the Siberian Krasnoyarsk to Poitiers.

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„Tres bien“, exclaims Brian and nods encouragingly to a boy who has just landed a jump. It was a good jump. Vincent has just become 16 this day and after the training here will be a birthday-cake for him! But now he has to jump! And to land! „Do it again,“ Brian says to another athlete – he has not seen her first jump. It seems so. „Sure he has seen, he would like that we do more and more jumps,“ skater explains and smiles , “so that we try our best and do more”. And if he demands more jumps, she has to train more and more and hear „pas mal” or “tres bien or even „molodez – (russ)“. Especially little children are especially very interested – they asked Joubert question after question, and for each of them he has an answer and for some skaters even the consolation – if they have no luck with the jumps and seemed going to cry. “I have to understand each skater – his mood, his character, and when I understand the skater I try to find the solution for him”, Joubert said.

From time to time Brian shows how they can get more speed and drive to the pirouettes or how they can do it better. But they not only work on the technique. „We have to do improvisations, Joubert switch on the music and we would have to show something that is artistically beautiful“, Olga explains. There are also some small competitions with each other. „For the winner, he prepared little prices – nice little things,“ the athlete tells during her break between two praxises, smiles and drinks a warm cup of tea.

“Most of the young people are very shy, and when I switch the music, they want to stay and don’t want to move, but they have to do it for the competition, to be confident on the ice. That s why I try to break it and to do the improvisation”, the world-champion explains his method.

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Brian Joubert explains already on the ice the difference between the jumps to the children. „Can you show us the Lutz?“, a little girl asks the champion. „Lutz?“ – Joubert seems to be surprised, pulls a strong face and shakes his head, but then he smiles, it is like a game. For sure he will show the desired Lutz. That s why he is here. That s why he is standing every day on the ice. He will be a couch. He is already one.