Denis Ten

Denis Ten

Denis Ten ist nicht nur Olympiadritter von Sochi, Medailliengewinner bei der WM und Gala-Organisator der eigenen Show in Kasachsan – Denis ist ein kreativer Mensch. Nur einige wenige wissen, dass er ein passionierter Hobby-Photograph ist und selbst renomierte Fotografen würden auf seine Bilder neidisch werden. In Dortmund erzählte er von seinen Vorbereitungen auf die Saison, seinem Studium und von seinen neuen Hobby.

Denis, in Bordeaux haben Sie mir erzählt, dass Sie Schmerzen in der Hüfte hatten, ist es jetzt besser geworden?

Jetzt fühle ich mich viel besser. Wir haben unseren Plan anders gestaltet, ich kann jetzt mehr Sprünge beim Training ausführen, und die Leistung steigen. Die Arbeit, die ich im Sommer zu erledigen hatte, leiste ich jetzt. Ich darf aber nicht voreilig werden, muss mich richtig vorbereiten und deshalb orientiere ich mich auf die zweite Hälfte der Saison.

Was haben Sie nach Bordeaux geändert?

Es gab keine großen Änderungen, denn der Wettkampf wurde nicht abgeschlossen. Jetzt gewöhne ich mich an die Routinearbeit, jeden Tag aufs Eis zu gehen, trainiere nach einem Plan, was im Sommer nicht möglich war. In Kalifornien hatte ich fast jeden Tag ärtzliche Untersuchungen, manchmal konnte ich gar nicht tranieren, weil ich medizinisch untersucht wurde. Jetzt sieht alles ganz anders aus.

Denis Ten

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Auf den Grand Prix in Bordeaux haben Sie sich in Poitiers vorbereitet. Warum dort?

Ich kam früher, um mich rechtzeitig an die Zeitzone zu gewöhnen und blieb bei meinem Freund– Brian Joubert. Von Poitiers bis nach Bordeaux ist gar nicht weit – zwei Stunden mit dem Auto oder eine Stunde mit dem Zug. Das Trainingszentrum ist dort sehr gut. Dann, nach dem Wettkampf in Bordeaux, blieb ich ein wenig länger in Frankreich, habe für mich einen neunen Trainingssplan ausgearbeitet und ehrlich gesagt – es hat mir auch viel gebracht. Ich fühle mich viel  besser und sicherer.

Was hat Ihnen in Poitiers so gefallen?

Erstens, ist die Umgebung gut, zweitens – Poitiers ist eine Stadt, die von Außeneinwirkungen isoliert ist, ich spreche jetzt nicht von irendwelchen globalen Dingen. Es ist so, dass ich zu Hause nicht so viel trainieren kann, ich bin viel zu viel beschäftigt und werde sozusagen zerrissen. Ich habe dort viele Veranstaltungen, es gibt viel Arbeit «off ice», deshalb kann ich mich nicht lange dort aufhalten.  Poitiers ist eine kleine Stadt, hier kann ich mich voll und ganz auf das Eiskunstlaufen konzentrieren.  Und auf mein Studium.

Ich studiere ja noch in Kasachstan, besuche Vorlesungen. Im Laufe des Tages habe ich men Training, in der Mittagspause gibt es meistens einige Termine und dann habe ich meine Abendvorlesungen: von 16 bis 21 Uhr bin ich an der Uni.

Was studieren Sie? 

Ich habe 2014 bereits meinen Bachelor im Bereich Sport  absolviert. Jetzt studiere ich an der Kazakh-British Technical University, mache meinen Master im Energiebereich (Öl und Gas). Es macht mir viel Spaß zu studieren und das Studium hilft mir, mich in anderen Bereichen zu orientieren. Das diszipliniert mich. Aber manchmal gibt es auch Schwierigkeiten. So war es beispielsweise in Boredaux, am Freitag liefen wir unser Kurzprogramm und am gleichen Tag musste ich meine Prüfung in Human Resource Management ablegen.

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Via Skype?

Nein, wir bekommen zu einem bestimmten Zeitpunkt die Aufgaben und haben eine bestimmte Frist, die zu erledigen und zurückschicken, dafür gibt es etwa eine Stunde. In Bordeaux musste ich diese Zeit verschieben lassen. Aber es war schon einmal, dass die Professoren deswegen sehr unzufrieden wurden.

Können die Professoren Ihre Lage nicht nachvollziehen? Sie haben ja Wettbewerbe…

Manchmal muss man wirklich verhandeln und einmal konnte ich eine Prüfung nicht rechtzeitig ablegen, weil ich in einer anderen Zeitzone war und viel zu beschäftigt war. Der Rektor musste sich einschalten und er hat mir die Erlaubnis erteilt, die Prüfung zu einem anderen Zeitpunkt abzulegen. Es ist eine seriöse Hochschule und Wissenschaft ist dort groß geschrieben, ich kann die Professoren auch gut verstehen.

Es ist auch gut für mich, dass ich meinen Komilitonen befreundet bin, wir haben gemeinsame Interessen. Die meisten Freunde von mir haben mit Sport und Eiskunstlaufen nichts zu tun.

Denis Ten

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Erzählen Sie von Ihrem Hobby, Sie fotografieren gerne…

Als ich meinen Account in Instagramm angelegt habe, habe ich dort Fotos gepostet, die nichts mit Sport zu tun hatten. Und vor kurzem habe ich verstanden, dass die Menschen etwas von mir selbst wissen möchten und nicht, was ich im Objektiv meiner Kamera sehe. Deshalb habe ich mir einen zweiten Account angelegt, extra für meine Bilder. Und in diesem Jahr habe ich mir eine Kamera gekauft.

Was ist das für eine Kamera, wenn ich fragen darf?

Nichts besonders. Heutezutage sind spiegellose Kameras sehr populär. Es ist eine sehr weitverbreitete Technologie und ich habe viele Linsen dafür, mein Bruder hat früher fotografiert, genauso wie mein Vater.

Also, es gab jemanden, der Ihnen alles beibringen konnte…

Ich habe es nicht extra gelernt, ich kannte mich immer gut mit der Technik aus. Die meisten Freunde von mir sind Programmierer, mein bester Freund ist der Gründer von einer in Kasachstan berühmten Firma, die Apps entwickelt. Und sie haben ein sehr erfolgreiches Projekt – «The Great Photo App» – es ist eine echte Fotoakademie in der Tasche und es war Topseller bei App Store in 43 Ländern. Ich habe einige Fotoshootings von ihnen besucht, nahm an einigen Projekten teil und es hat mein Interesse geweckt.

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Ja, sie haben sehr ungewöhnliche Ideen. Z. B. das dunkle Fotoshooting mit Brian Joubert. Einige Fans haben sogar geschrieben, Sie haben ihn als einen einsamen Wolf im Wald dargestellt. Was steckt hinter dieser Idee mit diesem Fotoshooting? 

(lacht) Alles war spontan. Wir gingen nicht weit von einem Wald spazieren und ich sagte ihm, dass ich den Wald fotografieren möchte. Es war ein sehr interessanter Hintergrund, Sonnennuntergang, es war gerade die sogennante  «goldene Stunde», aber ich habe leider sie nicht erwischt. Und so habe ich gedacht – dann könnte ich Fotos in der Dunkelheit machen. Wenn man dabei Brians Persönlichkeit berücksichtigt, sah alles ganz logisch aus.

Ich würde sagen, Sie gestalten sehr ungewöhliche Portraits!

Ich mag auch keine gewöhnlichen Portraits. Ich habe bereits von meinem Studium erzählt, aber ursprünglich wollte ich die Fachrichtung «mediale Technologien» wählen, ich wollte Kinoindustrie studieren. Ich interessierte mich für Bild, Videokomposition und Cinematografie. Aber als ich mich damit auseinandersetzte, den Stundenplan betrachtete – kam es mir wie ein Hobby vor. Und da habe ich verstanden, so was kann ich nach meiner Sportkarriere tun. Ich ließ mich exmatrikulieren und schrieb mich für eine andere Fachrichtung ein. Aber letzten Endes fühle ich mich trotzdem zu diesem Bereich hingezogen. Ich mag Fotografie, aber mein Stil ist eher ein Stop-Bild aus einem Film, einem Film mit einer Geschichte.

Auch in Bordeaux habe ich einige Eiskunstläufer fotografiert. Es war eine interessante Erfahrung für mich, wir haben einige Bilder in 15 Minuten geschossen, aber es war wie eine Fotoshooting. Ein spontanes Fotoshooting. Wir waren draußen, nicht warm angezogen und es war kalt. Ich habe mich dafür nicht vorbereitet, habe die Regie übernommen und sagten ihnen welche Bildkompisitionen ich haben möchte – das Ergebnis ist interessant geworden.

Wie kommen Sie auf die kreativen Ideen?

Es ist eine ziemlich schwierige Frage. Ehrlich gesagt, nehme ich es nicht so ernst. Ich meine, dass die Kunst nichts mit irgendwelchen technischen Vorkenntnissen verbunden sein soll, die Kunst entsteht spontan und unbewusst.

Einmal arbeitete ich mit einer außergewöhnlichen Disignerin aus San-Franzisko zusammen, eine sehr bekannte Persönlichkeit in diesem Bereich.  Als sie an den Skizzen arbeitete, hat sie nie ihre Zeichnung auf einem leeren Blatt Papier angefangen. Es war entweder eine Serviette oder eine Zeitung – egal was, was sie gerade zur Hand hatte – und wenn man die Richtung erkannte, könnte man kreativ loslegen. Genauso arbeite ich an der Organisation meiner Eisschow und an meinen Programmen für die Wettbewerbe. Kreative Ideen kommen wie ein Blitz. Man muss sie nur rechtzeitig die festhalten können.

Auch auf dem Eis? 

Ich bin immer aktiv, wenn wir an der Gestaltung meiner Programme arbeiten. Ich habe auch das letzte Wort . Aber in diesem Fall dauert es lange, weil wir alles genau und gründlich durcharbeiten, alleine die Musikauswahl nimmt einige Tage in Anspruch.

Werden Sie in diesem Jahr eine Show in Kasachstan veranstalten?

Diesen Wunsch habe ich. Aber ich kann nichts konkret sagen. Es wird sich zeigen. Jetzt liegen meine Schwerpunkte beim Sport. Ich habe einen schwierigen Sommer hinter mir, ich hatte auch viele Projekte durchzuführen. Ich war bei der Wahlkampagne unseres Präsidenten dabei, dann arbeitete ich mit an der Olympiabewerbung Almata 2022 und dazu kommt die Promotion für die Show. Es ist ein riesiges Projekt, das viel Zeit und Energie fordert.

Wie kann man es vereinbaren?

Ich bin daran gewohnt. Wenn man eine Orientierung hat, in einer guten Atmosphäre arbeitet und körperlich fit ist, kann man verschiedene Projekte problemlos gleichzeitig leiten. Aber in diesem Sommer hatte ich Problemme mit meiner Gesundheit gehabt und alles ist aus dem Ruder gelaufen. Ich brauche noch Zeit, ich komme langsam in die richtige Richtung. Deshalb plane ich viele Wettbewerbe, aber im März möchte ich die richtige Welle erwischen.

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